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Thema des Monats Januar 2013

Thema des Monats: Januar 2013

Blick in die Glaskugel - Wie wird 2013?

Die deutsche und auch die hessische Wirtschaft verloren in der zweiten Jahreshälfte 2012 spürbar an Kraft. Nun stellt sich die Frage für Unternehmer und Beschäftigte, wie sich die Entwicklung 2013 gestaltet - setzt sich die Konjunktureintrübung fort oder geht es wieder aufwärts?

Studien prognostizieren, dass in dem wahrscheinlichsten Szenario mit einer globalen wirtschaftlichen Belebung und einer globalen Wachstumsrate von mehr als 3 % zu rechnen ist. Für Deutschland bedeutet dies immer noch einen BIP-Anstieg von 1-1,5 %, was zu stabiler Beschäftigung im Durchschnitt führt. Die Belebung 2013, die auch aus dem Ausland kommt, trifft in Hessen mit einer Exportquote von mehr als 50 % auf international überaus wettbewerbsfähige Unternehmen. Somit können Unternehmen in Hessen von Wachstum ausgehen.

Im Hauptszenario der Helaba Volkswirtschaft/Research „With a Little Help from My Friends“ (Eintrittswahrscheinlichkeit: 75 %) gelingt die von der Geld- und Finanzpolitik angelegte konjunkturelle Wende der Weltwirtschaft. Die Zinssenkungen setzen in den Schwellenländern den Investitionszyklus in Gang. Gleichzeitig haben die Notenbanken der Industrieländer mit unkonventionellen Maßnahmen – allen voran den Anleihekäufen – zu einer Stabilisierung der Finanzmärkte und zu einer Rückkehr des Vertrauens beigetragen.

Das Auseinanderbrechen des Eurosystems bzw. ein Kollaps des globalen Finanzsystems ist unwahrscheinlicher geworden. 2013 werden insbesondere die EZB und die Fed in ihren Bemühungen nicht nachlassen und die Rentenmärkte mit weiteren Anleihekäufen verzerren. Dies sorgt zusammen mit einer Belebung der Weltwirtschaft für nachlassende Risikoprämien.

Insgesamt zeichnet sich für 2013 angeführt von China und Brasilien ein klassischer Aufschwung ab. Das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dürfte moderat von knapp 3 % (2012) auf 3,3 % steigen. Die USA werden entsprechend dem Szenario um 2 % wachsen, während die Eurozone nur um 0,4 % zulegt. Das Wachstum in Deutschland bliebe mit 1,2 % solide.

 

Auswirkungen der Geldpolitik der EZB und Fed

Die EZB nimmt mit ihrer Geldpolitik Unsicherheit aus dem Markt und reduziert die Angst vor dem Währungszerfall. Die sinkenden Risikoprämien auf Peripherieanleihen stützen die Gemeinschaftswährung. Auch wird sich im Jahresverlauf der Wachstumsvorsprung der USA gegenüber der Eurozone verringern.

Die expansive Geldpolitik der Fed in Form von Wertpapierkaufprogrammen sollte sich negativ auf den US-Dollar auswirken. Fehlende Zinsfantasie auf beiden Seiten des Atlantiks dämpft die Schwankungsbreite für dieses Währungspaar. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte sich 2013 im Bereich von 1,25 bis 1,40 bewegen.

 

Deutschland: Weiterhin überdurchschnittlich

Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland war 2012 gespalten. Während die Auswirkungen der europäischen Staatsschuldenkrise das Wachstum gedämpft haben, kamen reichlich Exportimpulse aus den USA und aus vielen Schwellenländern. Auch die privaten Konsumausgaben stimulierten die Dynamik. Trotzdem hat sich das Wachstum des BIP auf nur noch rund 1 % verringert (2011: 3,1 %).

Das zweite Halbjahr war von einer deutlichen Abschwächung und einer leichten Schrumpfung gegen Jahresende geprägt. Damit ist das Ausgangsniveau für 2013 verhältnismäßig niedrig. Trotz der zu erwartenden wieder zunehmenden Dynamik dürfte damit das BIP-Wachstum 2013 mit 1,2 % kaum höher ausfallen als 2012. Damit bleibt Deutschland allerdings weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone, die 2013 nur um voraussichtlich 0,4 % wachsen wird.

Hierfür spricht nicht nur die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland leidet auch nicht wie andere Mitgliedstaaten an einer Baukrise. Ganz im Gegenteil: Der Wohnungsbau dürfte auch in Zukunft für weitere Wachstumsimpulse sorgen. Immobilien werden zurzeit als „sichere“ Anlage geschätzt. Hinzu kommt der anhaltende Trend zur energetischen Sanierung.

Beides lässt sich bei niedrigen Hypothekenzinsen leichter finanzieren als in den vergangenen Jahren. Die im europäischen Vergleich sehr niedrigen Kapitalmarktzinsen entlasten auch die Unternehmen, deren Ausrüstungsinvestitionen nach der Schwächephase 2012 ab 2013 wieder zulegen dürften.

 

Arbeitsmarkt wieder auf Kurs

Weniger Dynamik geht im neuen Jahr vom Arbeitsmarkt aus. So ist der Beschäftigungszuwachs im Herbst 2012 zum Erliegen gekommen. Gleichwohl dürfte dies nur ein temporäres Phänomen sein, bedingt durch die Wachstumsabschwächung im zweiten Halbjahr.

Im Verlauf von 2013 dürften die Unternehmen wieder verstärkt Arbeitskräfte suchen. Zudem wird sich der Lohnanstieg bei einem weiterhin in Teilbereichen engen Arbeitsmarkt fortsetzen. Daher sind die Chancen gut, dass die privaten Konsumausgaben 2013 um gut 1 % zulegen werden. Damit kämen 2013 fast drei Viertel des Wachstums von den gesamten Konsumausgaben wie Abb. 1 verdeutlicht.

 

 

Abb. 1: Anteil des Konsums am BIP

 

Hessen: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Hessen entwickelte sich im ersten Halbjahr 2012 mit einem realen BIP-Wachstum von 1,3 % etwas besser als der gesamtdeutsche Durchschnitt mit 1,1 %. Als konjunkturelle Stütze dürfte sich das Dienstleistungsgewerbe erwiesen haben. Dies hat in Hessen einen erheblich höheren Anteil an der Bruttowertschöpfung als im Bundesdurchschnitt. Der strukturelle Unterschied zwischen vier bespielhaften Bundesländern wird in Abb. 2 deutlich.

Signifikant für das hessische Dienstleistungsgewerbe sind der Flughafen und der Finanzplatz Frankfurt. Beide dürften positive Impulse gesetzt haben: So zeigt die Kapazitätserweiterung am Frankfurt Airport Wirkung – steuert doch die Passagierzahl 2012 auf einen neuen Rekordwert zu. Das Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie die Unternehmensdienstleister sind auf Bundesebene wachstumsstark, was auch für Hessen gelten dürfte.

Die hessische Industrie blieb jedoch hinter den Zuwächsen anderer Bundesländer zurück. Insgesamt ist somit für 2012 bestenfalls mit einem leicht überdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen. Die Belebung 2013, die auch aus dem Ausland kommt, trifft in Hessen mit einer Exportquote von über 50 % auf international wettbewerbsfähige Unternehmen.

Damit stehen die Zeichen für Hessen auf Wachstum, das sogar etwas höher als der Bundesdurchschnitt ausfallen kann, da zum einen der Flughafen Frankfurt 2013 die stürmischen Zeiten aufgrund von Streiks hinter sich lassen sollte und sich das Frachtgeschäft konjunkturell bedingt erholen dürfte. Zum anderen zeichnet sich der hessische Arbeitsmarkt bis zuletzt durch sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Beschäftigung aus. Dies dürfte den Konsum beleben, selbst wenn sich 2013 der Trend auf dem Arbeitsmarkt abflacht.

 

Abb. 2: Strukturunterschiede zwischen den Bundesländern

 
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