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Thema des Monats März 2013

Thema des Monats: März 2013

Erfolgssteigerung durch Beiräte im Mittelstand

In der Öffentlichkeit wird häufig über Aufsichtsräte und Beiräte diskutiert. Nicht immer ist allen klar, dass diese beiden Gremien deutlich voneinander abgegrenzt werden müssen. Während Aufsichtsräte vor allem in Kapitalgesellschaften als Instrument der Unternehmensüberwachung auftreten, ist der Beirat ein unternehmerisches Organ, das vor allem in familiengeführten mittelständischen Unternehmen anzutreffen ist.

Die Rolle des Beirats für ein mittelständisches Unternehmen ist somit eine andere als die des rechtlich vorgeschriebenen Aufsichtsrats in Großunternehmen. Daher wird in den vorliegenden Artikel  der Beirat in mittelständisches Unternehmen genauer betrachtet und analysiert.

 

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Was ist ein Beirat?

Aufsichtsräte und Beiräte werden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig synonym verwendet. Neben den rechtlichen Grundlagen der Etablierung dieser Gremien unterscheiden sie sich jedoch auch deutlich in Rollen und Funktionen.  In der Praxis werden die Begriffe „Aufsichtsrat“ und „Beirat“ jedoch häufig synonym verwendet. Hinzu kommt eine Vielzahl nicht näher definierter Termini wie „Familienrat“, „Ältestenrat“, „Gesellschafterausschuss“ oder „Verwaltungsrat“.

In großen Unternehmen, vor allem Aktiengesellschaften und mitbestimmten GmbHs, existiert neben dem Vorstand, der die Geschäfte des Unternehmens alleinverantwortlich führt, zusätzlich ein Aufsichtsgremium, der Aufsichtsrat. Diesem kommen vor allem die folgenden beiden Aufgaben zu:

  • Als Überwacher ist der Aufsichtsrat gemäß § 111 AktG verpflichtet, den Vorstand in seiner Funktionsweise zu überwachen. Er tut dies vor allem im Interesse der Unternehmenseigentümer bzw. Gesellschafter.
  • Als Mittler vertritt er gemäß § 111 Absatz 2 Satz 3 AktG die Gesellschaft gegenüber dem Vorstand, er ernennt Vorstände und kann diese auch abberufen. Über zustimmungspflichtige Geschäfte nimmt der Aufsichtsrat Einfluss auf Geschäftsführungsmaßnahmen.

Größe und Zusammensetzung des Aufsichtsrats unterliegen in Deutschland gesetzlichen Regelungen. Für alle Aktiengesellschaften sowie große GmbHs ab 500 Mitarbeiter ist die Einrichtung eines verpflichtenden Aufsichtsrats vorgesehen. Für die meisten mittelständischen Unternehmen in der hier verfolgten Definition stellt sich diese Thematik nicht.

Hier kommt dem Beirat eine andere Bedeutung zu. Dieser ist in keinem Gesetz explizit als Organ definiert und kann unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens freiwillig als zusätzliches Gremium gebildet werden. Unterschiede ergeben sich im Hinblick auf die rechtliche Anbindungsform des Beirats:

  • Als schuldrechtlicher Beirat existiert keine gesellschaftsrechtliche Verankerung als Gremium bzw. Organ. Grundlage der Beiratsarbeit sind dann individuelle Geschäftsbesorgungsverträge zwischen Gesellschaft und Beiratsmitglied.
  • Als gesellschaftsrechtlicher Beirat ist der Beirat der Satzung der Gesellschaft (Gesellschaftsvertrag) angegliedert.

Die rechtliche Ausgestaltung des Beirats hat auch Auswirkungen auf dessen Funktionen. Anders als der Aufsichtsrat, der primär Überwachungsfunktionen übernimmt, liegt der Fokus des Beirats aufgrund der freiwilligen Einrichtung neben der Kontrolle des operativen Geschäfts vor allem im Bereich der Beratung aus unternehmerischer Perspektive.

Dies erscheint auch deshalb sinnvoll, da in großen Unternehmen eine Kontrolle der (Fremd-)Geschäftsführung notwendig sein kann. In mittelständischen Unternehmen steht die Beratung der Geschäftsführung und der Gesellschafter im Vordergrund.

Nach Aussagen der in einer Studie von Deloitte befragten Unternehmensvertreter haben vor allem drei Rollen eine hohe Bedeutung (siehe Abb. 1).

 

Abbildung 1: Rollen des mittelständischen Beirats

Die meisten Befragten sehen ein balanciertes Rollenprofil aus Kontrolleur/Überwacher/ Aufseher und Berater/Sparringspartner. Etwas weniger häufig, aber dennoch wichtig ist die Rolle des Bindeglieds/Mittlers/Interessenvertreters. Die Bedeutung des Beirats in der heutigen Unternehmenspraxis sollte nicht unterschätzt werden.

Die Zunahme der Wichtigkeit des Beirats kann auch damit belegt werden, dass immer mehr Unternehmen ein solches Gremium etablieren. Die Analyse der Antworten zeigt, dass 57 Prozent der befragten Unternehmen einen Beirat aufweisen oder für die nahe Zukunft die Einrichtung eines Beirats planen (siehe Abb. 2).

 

Abbildung 2: Etablierung von Beiräten im Mittelstand

 

Welchen Beitrag leistet der Beirat zum Unternehmenserfolg?

Als wichtiges Unternehmensgremium ist der Beirat für Bestandssicherung und Unternehmenserfolg von hoher Bedeutung. Er muss aktiv darauf hinwirken, Strukturen und Prozesse innerhalb der Organisation fortzuentwickeln, Strategien zukunftsfähig zu machen und den wachsenden, an ihn gestellten Anforderungen mit einer verbesserten Funktionserfüllung zu begegnen. Der Mittlerfunktion zwischen Unternehmen und Familie kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

In einer offenen Frage sehen 85 Prozent der Unternehmen einen positiven Zusammenhang zwischen guter Beiratsarbeit und gesteigertem Unternehmenserfolg. Der Erfolgsbeitrag des Beirats lässt sich in verschiedenen Kategorien messen. Zum einen steigert der Beirat den Unternehmenserfolg indirekt dadurch, dass Kapitalgeber – vor allem Banken – im Rahmen der Kreditvergabe verbesserte Konditionen für die Unternehmen anbieten, die einen funktionsfähigen Beirat etabliert haben.

Zudem lassen sich auch direkte Erfolgswirkungen der Beiratsarbeit erkennen. Diese werden von den Befragten auf mehrere Aspekte zurückgeführt (siehe Abb. 1): Zunächst sehen sie eine Steigerung der Entscheidungsqualität durch externe Empfehlungen und Handlungsanweisungen. Zudem könne der Beirat durch seine Tätigkeit die Klarheit  (Transparenz) und Nachhaltigkeit des Handelns erhöhen.

Durch Vorgabe von Strategien und Zielen für die Unternehmensführung wird die Zielorientierung des gesamten Unternehmens im Hinblick auf die unternehmerischen Oberziele „Sicherung der Überlebensfähigkeit“, „Wert- und Werteorientierung“ sowie „Erhalt als Familienunternehmen“ sichergestellt. Durch eine hohe Integration in den Informationsfluss und den Orientierungsprozess steigt das Vertrauen zwischen den handelnden Akteuren, Informationsasymmetrien werden abgebaut.

Neben den direkt erfolgssteigernden Wirkungen verweisen die befragten Experten vor allem auf die Risikopräventionswirkung des Beirats. Auch wenn dieser den Erfolg des Unternehmens mitunter nur mäßig steigert, bietet die Existenz eines gut funktionierenden Beirats doch eine gewisse Sicherheit vor Unternehmenskrisen (siehe Abb. 1).

 

 

Abbildung 3: Positive Wirkungen der Beiratsarbeit auf den Unternehmenserfolg

Diejenigen, die eine erfolgssteigernde Wirkung der Beiratsarbeit verneinen, verweisen darauf, dass der Beirat zu weit vom operativen Geschäft entfernt sei. Letztlich werde der Unternehmenserfolg nur durch das Management wirklich determiniert. Zudem wurde in mehreren Fällen ein zu passives und opportunistisches Gremium bemängelt, das Entscheidungen der operativen Entscheidungsträger lediglich „durchwinke“.

Wer ist als Mitglied im Beirat geeignet?

Was nichts kostet, ist nichts wert. Willige Beiratsmitglieder gibt es zuhauf, da ein solcher Posten ein gutes Netzwerk verspricht und den Marktwert einer Führungskraft steigert. Die Besetzung des Beirats sollte nicht nach Kostengesichtspunkten, sondern anforderungsbezogen erfolgen. Interessante Unternehmer werden nicht wegen der Vergütung Beiräte.

Sie erhoffen sich zwar ein Entgelt für ihre Anstrengungen, doch Geld ist nicht das motivierende Element. Dies schöpfen sie aus der anspruchsvollen Aufgabe, den Unternehmer auf Augenhöhe zu beraten und das Unternehmen vor Fehlentwicklungen zu schützen. Diese Herausforderung, das gute Netzwerk und die persönliche Weiterentwicklung sind somit für viele geeignete Kandidaten auch ein sehr großer Anreiz, Beirat in einem mittelständischen Unternehmen zu werden.

 
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