industrieplatz hessen
 
Hessenboebbel

Thema des Monats Oktober 2013

Thema des Monats: Oktober 2013

Berufsausbildung in Hessen 2013

Berufsausbildung in Hessen 2013
Die hobit - Hochschul- und Berufsinformationstage in Darmstadt

Die Ferien in Hessen sind vorbei und für viele Jugendliche begann im September der Start in eine berufliche Ausbildung. Das Thema des Monats Oktober gibt aus diesem Grund einen Überblick über den Bericht „Berufsausbildung in Hessen 2013". Vor dem Hintergrund der Problematik des Fachkräftemangels wird eine Übersicht zur Situation in Hessen gegeben:

Wo macht sich ein Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern bereits bemerkbar? Welche Branchen und Berufsgruppen sind hiervon betroffen – welche sind bisher verschont? Abschließend werden Handlungsempfehlungen gegeben, wie Unternehmen ihre freie Ausbildungsplätze noch attraktiver bei Jugendlichen bewerben können.

 

Mit der Abschwächung der Konjunktur in Deutschland ist auch der Aufschwung auf dem dualen Ausbildungsmarkt ins Stocken geraten. Die Zahl der Neuverträge ging im Vorjahresvergleich bundesweit zurück. Das Minus lag insgesamt bei 3,2 %. Am stärksten fiel der Rückgang in den ostdeutschen Bundesländern aus, was vor allem auf die Reduzierung außerbetrieblicher, also überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanzierte, Berufsausbildungen zurückzuführen ist.

In Hessen haben sich die erfolgreichen Vertragsabschlüsse etwas besser als im Bundesdurchschnitt entwickelt. Das Minus betrug 921 Verträge bzw. „nur" 2,2 % auf 40.245 Verträge. Es nahm ebenfalls vor allem die Zahl außerbetrieblicher Ausbildungsverträge ab. Allerdings wurden auch bei betrieblichen Neuverträgen Rückgänge verzeichnet (- 1,3 %).

Angebot und Nachfrage in hessischen Agenturbezirken

Die Abbildung 1 verdeutlicht – basierend auf dem alten Gebietsstand Agenturbezirke – die regionalen Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt in Hessen.

 

 

Abbildung 1: Angebots-Nachfrage-Relation in hessichen Agenturbezirken der BA 2012

 

Zum Ende des Berichtsjahres wies keine Region in Hessen mehr freie Stellen als unvermittelte Bewerber auf. Die Ausbildungsmarktsituation war für die Jugendlichen – gemessen an der Kennziffer „unbesetzte Stellen je unvermitteltem Bewerber" – in Frankfurt am Main, in Fulda und im Landkreis Offenbach am besten, in Stadt und Landkreis Kassel, im Odenwald- und im Werra-Meißner-Kreis am schlechtesten.

Überwiegend haben sich die Regionen mit einer (aus Sicht der Jugendlichen) guten bzw. schlechten  Ausbildungsmarktlage eher einander angenähert, als dass sich die Unterschiede vergrößern würden. Aktuell fällt allerdings die Entwicklung im Agenturbezirk Gießen und auch in der Stadt Gießen sowie im Lahn-Dill-Kreis – und damit in Mittelhessen – gegenüber anderen Regionen ab.

 

Abbildung 2: Veränderung der Zahl unbesetzter Stellen und unvermittelter Bewerber gegenüber dem Vorjahr in ausgewählten hessischen Regionen in %

 

Konträr zu der Entwicklung im letzten Berichtsjahr stiegen die Neuvertragszahlen im aktuellen Berichtsjahr nur in drei hessischen Agenturbezirken leicht an, während sie in den anderen zum Teil deutlich sanken (vgl. Abbildung 2). Dabei sind es teilweise auch die Gewinner des Vorjahres, die aktuell die größten Einbußen bei den Neuvertragszahlen verzeichnen und umgekehrt. Insofern wurden die Entwicklungen des vergangenen Jahres häufig nivelliert. Insgesamt haben die Neuvertragszahlen in den nordhessischen Agenturbezirken um 1 %, die in den mittel- und südhessischen um 3 % abgenommen.

Berufsspezifisch war weiterhin eine starke, jedoch leicht abnehmende Konzentration des Ausbildungsmarkts festzustellen. Auf die zehn am häufigsten angebotenen Ausbildungsberufe bzw. die „Top-Ten-Berufe" entfielen ein Drittel aller gemeldeten Stellen (33 %, Vorjahr: 35 %), bei der Nachfrage waren es 41 % der Bewerber (Vorjahr: 42 %). Insbesondere Frauen haben in Bezug auf die duale Ausbildung ein begrenztes Spektrum an Berufswünschen:

57 % bewarben sich um einen Top-Ten-Beruf (Vorjahr: 59 %). Bei den Männern betrug der Anteil im Berichtsjahr 40 %. Die Liste der quantitativ bedeutendsten Ausbildungsberufe ändert sich erneut nur unwesentlich. Auf der Angebotsseite zählten allerdings erstmals wieder die Berufe Friseur/-in und Fachkraft für Lagerlogistik zu den Top-Ten. Eine starke (geschlechtsspezifische) Konzentration der Bewerber auf „Modeberufe" kann zu einem Bewerbermangel in anderen Berufen führen („beruflicher Mismatch").

 

Abbildung 3: Ausbildungsstellenüberhang bzw. -defizit in ausgewählten BA-Berufsgruppen in Hessen

 

Von insgesamt 1.944 unbesetzten Stellen blieben erneut mit Abstand die meisten Stellen in den beiden quantitativ bedeutendsten Ausbildungsberufen Verkäufer/-in (229 Stellen) und Kaufmann/-frau im Einzelhandel (202 Stellen) unbesetzt. Diese beiden Berufe üben einen erheblichen Einfluss auf das hessische Gesamtergebnis aus:

In ihnen wurden im aktuellen Berichtsjahr 431 unbesetzte Stellen gemeldet, im Vorjahr 881 Stellen, sodass knapp 60 % des Rückgangs bei unbesetzten Stellen in Hessen insgesamt (770 Stellen) allein auf diese beiden Berufe zurückgeführt werden können. Rund 100 freie Stellen gab es zudem noch in den Berufen Friseur/-in und Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r.

Berücksichtigt man alle unvermittelten Bewerber, dann zeigt sich somit letztlich bei fast allen, hinsichtlich der Zahl unbesetzter Stellen quantitativ bedeutenden Berufsgruppen noch ein deutliches Stellendefizit. Die Ausnahme bildet die Berufsgruppe Gästebetreuer (Hotel- und Gaststättenberufe). Grundsätzlich ist der Anteil unvermittelter Bewerber in allen unterschiedenen Berufsgruppen relativ hoch (mehr als 10 %), während der Anteil unbesetzter Stellen deutlicher variiert.

Angesichts des demografischen Wandels steht das Thema Fachkräftesicherung im Fokus der öffentlichen Diskussion. Zu den Branchen und Berufen, für die regional bereits heute ein Fachkräftemangel bzw. eine Fachkräfteverknappung konstatiert oder für die (nähere) Zukunft erwartet wird, zählen Logistik und Vertrieb, technische bzw. MINT-Berufe, Sozial- und Gesundheitsdienstberufe sowie Reinigungsberufe.

Gemessen u. a. an den (erwarteten) Bedarfen, den früher festgestellten Ausbildungsaktivitäten, dem Angebot unbesetzter Ausbildungsplätze sowie der Zahl der bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern noch unvermittelten Ausbildungsstellenbewerber ist zu konstatieren, dass Ausbildungspotenziale nicht vollständig genutzt werden.

Im Vergleich mit dem Jahr 2000 sind die Ausbildungsquoten auch in den genannten Mangel- bzw. Mismatchberufsgruppen zumeist zurückgegangen, weil mehr Beschäftigte und zugleich weniger Auszubildende gezählt werden. Insbesondere unter den Frauen nahmen die Ausbildungsquoten wegen der gegensätzlichen Entwicklung von Beschäftigung und Ausbildung ab. Allein der Logistikbereich konnte die Ausbildungsquote im langjährigen Vergleich steigern. Trotzdem liegt die Quote des Bereichs mit 1,2 % weiterhin auf niedrigem Niveau.

Der demografische Wandel bietet für die Jugendlichen einerseits die Chance, ihre Ausbildungs- und Arbeitsmarktposition weiter zu verbessern. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass sich die Passungs- und Vermittlungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt verstärken mit der Folge unveränderter oder gar erhöhter Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel.

Neben grundlegenden Bildungsanstrengungen im Bereich schulischer sowie sozialer Kompetenzen und der (weiteren) Verbesserung der Berufsorientierung bestehen Handlungsansätze darin, gerade lernschwächere Jugendliche – aufbauend auf Potenzialanalysen – individuell zu begleiten und zu fördern.

Zur Unterstützung lernschwächerer Jugendlicher kann auch der verstärkte Einsatz betrieblicher Qualifizierungen (z. B. Einstiegsqualifizierungen eventuell auch in Verbindung mit ausbildungsbegleitenden Hilfen) beitragen, der eine frühzeitige betriebliche Sozialisation der Jugendlichen ermöglicht. Zudem ist eine stärkere Vernetzung der regionalen, im Umfeld der schulischen und beruflichen Bildung tätigen Akteure angezeigt. Dafür bietet die landesweite Strategie OloV eine Grundlage.

Handlungsempfehlungen an die mit Rekrutierungsproblemen konfrontierten Unternehmen sind, den Jugendlichen ergänzende Qualifikationsmöglichkeiten zu einem höherwertigen Bildungsabschluss anzubieten, innerbetriebliche Entwicklungsmöglichkeiten transparent zu machen und z. B. ein positives Arbeitsklima stärker zu kommunizieren.

Neben der Höhe der Ausbildungsvergütung und (altersgemäßen) Arbeitsbedingungen dürften auch die Übernahmeaussichten für die Jugendlichen ein entscheidendes Kriterium bei der Ausbildungsplatzwahl darstellen. Zur Steigerung der Mobilität und der Vermeidung regionaler Passungsprobleme können die bereits existierenden Unterstützungsmaßnahmen verstärkt werden.

Durch die Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens ab Sommer 2013 wird die Attraktivität der beruflichen Ausbildung weiter gesteigert. Mit dem Qualifikationsrahmen werden in Deutschland erworbene Bildungsabschlüsse und berufliche Qualifikationen europaweit vergleichbar, was neben der Arbeitsmarktmobilität auch die Durchlässigkeit zwischen dem akademischen und dem beruflichen Bildungsbereich auf nationaler und europäischer Ebene erhöhen dürfte.

 

Quelle: Berufsausbildung in Hessen 2013 – Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung.

 
Diese Seite teilen: teilen XING-Kontakten zeigen linkedin-Kontakten zeigen Auf Facebook posten Twittern! auf google teilen!

 
Diese Seite teilen: teilen XING-Kontakten zeigen linkedin-Kontakten zeigen Auf Facebook posten Twittern! auf google teilen!