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Thema des Monats: März 2014

Wirtschaftskraft sichern - Fachkräfte stärken

Der wachsende Fachkräftemangel fordert die deutsche Wirtschaft heraus. Vor allem in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) fehlen bereits heute Nachwuchskräfte.
Empfehlungen, um den Fachkräftemangel abzuschwächen, liegen in der Schaffung flexibler Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem Vertrauen in die Erfahrung älterer Arbeitnehmer und der Anwerbung und Einstellung von qualifizierten Zuwanderern und ausländischen Fachkräften.

Die Herausforderung: die Kräfte schwinden
Momentan erfreut sich die deutsche Wirtschaft einem Beschäftigungshoch. Allerdings herrscht bereits heute in technischen Berufsfeldern und bei Gesundheits- und Pflegeberufen Fachkräftemangel. Das „Demografietool“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass 2030 bei konstanten Bedingungen fast 1,3 Millionen Fachkräfte in MINT-Berufen fehlen werden. Es stellt sich die Frage, wie die deutsche Wirtschaft einem wachsenden Fachkräftemangel begegnen kann.


Interaktive Grafik, einfach "anklicken und ausprobieren":


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Empfehlung: Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken
Laut Aussage des statistischen Bundesamts wollen rund 3,3 Millionen Frauen in Deutschland im Alter zwischen 15 und 74 Jahren (mehr) arbeiten. 55 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen gaben an, aufgrund familiärer oder persönlicher Verpflichtungen in Teilzeit zu arbeiten. Um dieses Potenzial an Fachkräften zu fördern, gilt es die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auszubauen.

Zahlreiche Unternehmen, beispielsweise HenkelSiemens und die Commerzbank, bieten ihren Mitarbeitern entweder ein Kontingent an Belegplätzen oder die Betreuung der Kinder in Betriebskindergärten an. Weitere Möglichkeiten sind flexible Arbeitszeiten, die Zahlung eines Betreuungszuschusses bei einem frühzeitigen Einstieg nach der Elternzeit, eine Ferienbetreuung oder das Homeoffice.
Neben der Kinderbetreuung ist aber auch die Pflege von Angehörigen ein häufiger Grund für Teilzeitarbeit. Um die Mitarbeiter zu unterstützen können Unternehmen neben flexiblen Arbeitszeiten zum Beispiel Beratungsleistungen oder eine Notfall-Pflege anbieten.

Anteil der Teilzeitbeschäftigten Frauen zwischen 15 und 64 Jahren in Deutschland, die wegen familiärer Gründe (häufig Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen) nicht Vollzeit beschäftigt sindAbb.2: Anteil der Teilzeitbeschäftigten Frauen zwischen 15 und 64 Jahren in Deutschland, die wegen familiärer Gründe (häufig Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen) nicht Vollzeit beschäftigt sind. (Nach: Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland und Europa. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2012, S. 43)


Empfehlung: Auf die Erfahrung älterer Arbeitnehmer setzen
Häufig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, dass sie keine geeigneten jungen Fachkräfte für freie Stellen finden. Anstatt Stellen deshalb nicht zu besetzten, können ältere Arbeitnehmer eingestellt oder gefördert und so von ihren Erfahrungen profitiert werden. Ein Trend in diese Richtung hat bereits begonnen. Im Jahr 2002 waren gut 25 Prozent der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig.

Zehn Jahre später, im Jahr 2012, waren es bereits fast 50 Prozent. Damit eine längere Beschäftigung möglich ist, müssen jedoch Anreize geboten und Strukturen geändert werden. Einige Unternehmen, wie SAP3M und Bosch,  bieten beispielsweise die Möglichkeit der betrieblichen Altersteilzeit an. Viele investieren außerdem zunehmend in Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (Beispiel: Daimler). Damit die Maßnahmen der Personalpolitik erfolgreich sind, müssen allerdings auch die gesetzlichen und tarifvertraglichen Rahmenbedingungen darauf abgestimmt werden.

Empfehlung: die Willkommenskultur fördern
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft verdeutlicht die positiven Aspekte der Zuwanderung. So hatten 2011 zum Beispiel rund 29 Prozent der Zuwanderer zwischen 25 und 65 Jahren einen Hochschulabschluss. Gut 10 Prozent aller zugewanderten Akademiker und 8,7 Prozent der zugewanderten Bulgaren und Rumänen waren MINT-Akademiker.

Zugewanderte Fachkräfte bilden also eine wichtige Option gegen den Fachkräftemangel. Damit jedoch mehr ausländische Fachkräfte nach Deutschland kommen, muss die Willkommenskultur gestärkt werden. Wesentliche Aspekte dieser sind die Offenheit gegenüber ausländischen Fachkräften und deren Wertschätzung – Unternehmen und Fachkräfte können gegenseitig voneinander lernen.

Ferner kann zugewanderten Fachkräften der Berufseinstieg durch das Angebot von Sprachkursen erleichtert werden. Besonders wichtig ist die praxisorientierte Anerkennung ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse. In einem ersten Schritt zur Vereinfachung des Berufseinstiegs, hat die Bundesregierung im Jahr 2012 ein Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen erlassen. Weite Informationen dazu, sowie ein Verzeichnis aller Anerkennungspflichtigen Berufe finden Sie hier: www.anerkennung-in-deutschland.de.

Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit einem HochschulabschlussAbb.3: Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit einem Hochschulabschluss
(Nach: Geis, 2012; FDZ der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus, 2011)


Insgesamt betrachtet gibt es eine Reihe von Maßnahmen mit denen Unternehmen einem Fachkräftemangel entgegenwirken können. Viele Betriebe setzen bereits eine Kombination verschiedener Schritte ein. Besonders im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheint die Wirtschaft der Politik einen Schritt voraus zu sein.
Im Hinblick auf die Förderung der Willkommenskultur in Deutschland gibt es sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft noch Handlungsbedarf. Zu diesem Thema wird es daher in diesem Jahr in der Rubrik „Thema des Monats“ einen ausführlicheren Beitrag geben.




 
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