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Hessenboebbel

Thema des Monats: Juli 2014

Frauenquote - Was Frauen wollen…?

Mit Einführung der Frauenquote müssen Aufsichtsrat-Posten börsennotierter Unternehmen ab 2016 zu 30 Prozent mit Frauen besetzt werden. Gleiches gilt für Führungsgremien im öffentlichen Dienst. Für andere Unternehmensformen kommt die Flexi-Quote.1

Dadurch soll qualifizierten Frauen der Weg in die Führungsebene erleichtert werden. Es gilt, die „gläserne Decke“2 , welche Frauen häufig von hohen Führungspositionen abschirmt, zu durchbrechen. Gestärkt wird sie derzeit unter anderem durch charakterliche Eigenschaften und traditionelle Rollen, die den Geschlechtern – bewusst oder unbewusst – zugeordnet werden. Können diese Barrieren mittels der Frauenquote aus dem Weg geräumt werden?

Schöne Frauen in hübschen Kleidern tippen Briefe ab, machen Kopien, bringen den Kaffee und regeln die Termine, während die Männer in Anzug rauchend im Konferenzraum sitzen und bei einem Whiskey die wichtigen Entscheidungen treffen und Kunden beraten. Das ist die Realität in Mad Men. Die Serie spielt in den 60er Jahren in New York – wirft also einen Blick in die Vergangenheit…Oder nicht?


Muss der Staat helfen?
Die Studie Frauen in Führungspositionen aus dem Jahr 2010, welche im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), durchgeführt wurde, zeigt, dass die Mehrheit von Frauen (74 %) und Männern (71 %) der Meinung ist, dass sich der Anteil von Frauen im gehobenen Management in Deutschland  nicht von alleine erhöhen wird.

Und der aktuelle DAX 30 Statusbericht gibt ihnen Recht, denn die „DAX 30-Konzerne haben ihre selbstgesteckten Ziele zur Förderung von Frauen in Führungspositionen nicht erreicht“.3  Die Notwendigkeit für ein staatliches Eingreifen scheint also da zu sein.


Die geplante Frauenquote ist zu schwach
Während die SPD eine Einführung der 30 Prozent-Frauenquote für Aufsichtsräte ab 2016 anstrebt, kritisieren die Grünen diese als unzureichend. Die Grünen Parteichefin Simone Peter sagte in den Dortmunder Ruhr Nachrichten: „Die Frauenquote kommt spät und wenig ambitioniert. Sie sollte auf 40 Prozent angehoben und perspektivisch auch auf andere Ebenen ausgeweitet werden, um Frauen im gesamten Unternehmen gleichzustellen.“


Studie: Frauen in Führungspositionen
Weiterhin stellt sich die Frage, ob die Frauenquote automatisch Verbesserungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit sich bringt? Werden die „Quotenfrauen“ in den Führungsebenen akzeptiert werden? Laut der Studie Frauen in Führungspositionen besteht eine bedeutende Barriere für Frauen aus drei männlichen Mentalitätsmustern:

  • Konservativ eingestellte Männer, welche „…Frauen aus Gründen der Systemfunktionalität und Tradition aus Führungspositionen…“4  ausschließen.
  • Männer mit einer emanzipierten Grundhaltung, in deren Augen Frauen „…aufgrund gesellschaftspolitischer Rollenzuschreibungen für das Top-Management nicht geeignet sind…“5.
  • Männer mit einer individualistischen Grundhaltung. Sie behaupten, das Geschlecht spiele keine Rolle und der Grund läge in der „…mangelnden Nachfrage seitens der Frauen…“6.


Die Studie sieht diese Muster als „…gesicherte soziale Schließfunktion mit sehr selektiver Durchlässigkeit.“7  Männer agieren „...(z.T. unbewusst) als ‚Hüter der gläsernen Decke‘“8.  Ob die geplante Frauenquote den Frauen dabei helfen kann, diese Gesinnungen auf Dauer zu ändern und damit mehr als nur ein Riss in der „gläsernen Decke“ zu sein, bleibt abzuwarten. Denn nur weil eine qualifizierte Frau mit im Aufsichtsrat sitzt, heißt es noch nicht, dass ihre männlichen Kollegen ihr Verhalten, welches ihrer traditionellen, gesellschaftlichen Rolle widerspricht, als authentisch ansehen.


Veränderung durch Wandel
Was es in Deutschland braucht, ist ein Kulturwandel in zweierlei Hinsicht. Zum einen müssen die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden. Zum anderen braucht es einen „Kulturwandel in den Führungsetagen“: Frauen sollten „…sich anpassen, wo es erforderlich ist, aber auch: zum eigenen Stil stehen und andere für den eigenen Führungsstil begeistern.“9


Best Practice
Doch, der Kulturwandel in deutschen Unternehmen ist keine reine Zukunftsphantasie. In vielen Unternehmen hat er bereits begonnen. Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) nennt die Fraport AG als Best Practice Beispiel für „vorbildliches Engagement für die Gleichstellung von Frauen“.10  Ziel der AG ist es, den Frauenanteil in Führungspositionen auf 25 bis 35 Prozent zu erhöhen. Zu den dafür eingeführten Maßnahmen zählen zum Beispiel:

  • Mentoring-Programme und Seminare
  • Das Frauennetzwerk Connect
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Unterstützung bei Kinderbetreuung (u.a. durch Kooperation mit „Fluggi-Land“)


Außerdem zeigen Frauen wie Julia Jäkel (Vorstandsvorsitzende des Verlagshauses Gruner + Jahr),  Dr. phil. Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung TRUMPF GmbH + Co. KG), Dr. Christine Hohmann-Dennhardt (Vorstandsmitglied der Daimler AG, Integrität und Recht) und Mechthilde Maier (Leiterin Group Diversity Management der Deutschen Telekom), dass eine Vereinbarkeit von Karriere und Familie in Deutschland möglich ist.

In einem Interview antwortete  Mechthilde Maier auf die Frage, ob die Deutsche Telekom emanzipiert sei: „…Wir haben uns jahrelang mit Frauenförderprogrammen bemüht, daran etwas zu ändern. Leider ohne Erfolg. Die Frauenquote ist daher eine schiere Notwendigkeit und ein wichtiger Teil unseres strategischen Personalumbaus. Wir erweitern damit unseren Talentpool und versprechen uns langfristig durch mehr Vielfalt im Management eine höhere Wertschöpfung.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass gemischte Führungsteams erfolgreicher arbeiten.“ Ziel der Telekom ist es bis Ende 2015 den Frauenanteil in der mittleren bis oberen Führungsebene auf 30 Prozent zu steigern. 2013 waren 19,4 Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt. Aber nicht nur bei der Telekom ist es noch ein weiter Weg bis zur Zielerreichung. Ähnlich sieht es, gemäß dem aktuellen Statusbericht, auch bei den anderen DAX 30-Konzernen aus.


Die Notwendigkeit eines Kulturwandels, scheint aber erkannt: Nach den Ergebnissen der Studie des BMFSFJ, sagen sowohl Frauen, als auch Männer in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft, dass es hierzulande mehr Frauen in Führungspositionen braucht.11   

 

 

_________________________

1Im Rahmen der Flexi-Quote können Unternehmen (GmbH und eG) selbst eine Quote für den Aufsichtsrat, den Vorstand und zwei darunter stehende Managementebenen festlegen. Unternehmen, welche die Form der Europa AG (Societas Europaea (SE)) haben sind von der Frauenquote ausgenommen.
2„Die gläserne Decke bezeichnet die unsichtbaren Hindernisse, die Frauen in ihrem Berufsleben begegnen und sie an einer erfolgreichen Karriere hindern.“ (Herpers, Dr. M. (2013), Erfolgsfaktor Gender Diversity, S. 176)
3 http://www.csr-in-deutschland.de (2014)
4,5,6,7 Wippermann, Dr. C. (2010), Frauen in Führungspositionen, S. 18
8 Wippermann, Dr. C. (2010), Frauen in Führungspositionen, S. 9
9 Wippermann, Dr. C. (2010), Frauen in Führungspositionen, S. 75
10 http://www.bvl.de
11 Wippermann, Dr. C. (2010), Frauen in Führungspositionen, S. 8

 
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