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Hessenboebbel

Thema des Monats: Mai 2014

Vernetztes Fahren – Revolution des Automobilmarktes?

Die Zukunft: Der nahezu unfallfreie Straßenverkehr durch die Vernetzung von Fahrzeugen mit ihrer Umwelt und untereinander. Durch die Verbindung mit dem Internet wird das Auto zum Computer auf Rädern. Längst arbeiten Unternehmen der Automobilbranche,  der Telekommunikationsbranche sowie Hard- und Softwarehersteller an Lösungen dieses Zukunftsmodell in die Wirklichkeit umzusetzen.

Vernetzung ist deshalb kein Zukunftsthema mehr, erste Systeme sind bereits auf dem Markt. Auch die hessische Wirtschaft ist Teil dieser Entwicklung. Die Automobilindustrie ist am Umsatz gemessen immerhin die drittgrößte Industriebranche des Bundeslandes. Fahren wir doch gemeinsam ein Stück, um dieser Vision ein Stück näher zu kommen. Steigen Sie ein, schnallen Sie sich an, los geht´s!

Autobahn A7, Kassel Richtung Würzburg. Ein sonniger Frühlingstag. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung, der Verkehr fließt entspannt vor sich hin. Wir geben Gas. Doch Vorsicht! Ein Stauende! Es liegt am Berg hinter einer Kurve – damit haben wir nicht gerechnet. Glück gehabt, gerade noch rechtzeitig gebremst. In Zukunft werden Autos durch die Vernetzungstechnologie von vorausfahrenden Fahrzeugen vor solchen Gefahrenstellen gewarnt.

Zähfließend schleichen die Fahrzeuge nun die Fahrbahn entlang.  Schalten, Stehen und Anfahren zehrt an den Nerven. Nicht im vernetzten Auto. Wir bleiben entspannt, denn unser Auto regelt die Geschwindigkeit und den gewünschten Abstand zum Vordermann im Stop-and-Go-Verkehr automatisch. Was ist eigentlich los in der Welt? Dank eigener Internetverbindung können wir im Internet surfen, uns aktuelle Nachrichten vorlesen lassen oder per Diktierfunktion E-Mails versenden.

So langsam wird es Zeit für eine kurze Pause, einen Kaffee und etwas frische Luft. Auf dem Parkplatz der nächsten Raststätte stehen die Autos dicht gedrängt, kein Parkplatz mehr frei? Doch das vernetzte Auto hilft uns eine geeignete Lücke zu finden und parkt – auf Wunsch – selbstständig  ein. Jetzt schnell einen Kaffee trinken. Dann plötzlich ein Gedanke: 

Haben wir das Auto auch wirklich abgeschlossen? Anstatt zum Auto zurück zu gehen, schauen wir einfach auf unsere App und schließen – sofern es denn offen ist – das Auto per Verriegelungsfunktion ab. Damit das Auto nach der Pause in der Sonne nicht zu warm wird, schalten wir dabei über die App die Standlüftung ein. Nach dem Kaffee fahren wir weiter, der Stau hat sich immer noch nicht aufgelöst.

Sie, als Beifahrer langweilen sich, das Radioprogramm ist auch schlecht? Kein Problem: Durch die Vernetzung mit dem Smartphone ist das individuelle Entertainment-Programm immer dabei. So vergeht auch der längste Stau wie im Flug. Es wird Abend, wir bekommen Hunger. Wo finden wir jetzt ein gutes Restaurant? Kein Problem  - per Internetverbindung werden Restaurants inklusive Bewertungen schnell gefunden. In einem davon genießen wir ein leckeres Essen.

All das ist keine Zukunftsvision mehr. Autofahren bedeutet heute nicht mehr nur Unabhängigkeit, es steht auch für Komfort auf langer Strecke.

Aus der Theorie auf die Straße
Dieser Markt entwickelt sich schnell. Laut dem Ergebnis des von Automobilherstellern, -zulieferern, Kommunikationsunternehmen und weiteren gemeinsam durchgeführte Forschungsprojekt simTD (Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland) ist die Vernetzung des Autos mit anderen Fahrzeugen und der Umwelt (die Car-to-X Kommunikation) alltagstauglich und erhöht die Sicherheit während der Fahrt.

Auch auf europäischer Ebene wurde die Relevanz des Themas erkannt. Im Februar einigte man sich auf einen europäischen Standard für die neue Technologie zur Vernetzung, unter anderem für Funkfrequenzen und Datenformate. Dadurch sollen auch die Modelle verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können. Laut der Europäischen Kommission werden bereits 2015 vernetzte Fahrzeuge, die mit der Straßeninfrastruktur und miteinander kommunizieren können, in Europa unterwegs sein.

Einige Lösungsansätze für die Vernetzung bietet die Automobilindustrie bereits an, beispielsweise Connected Drive von BMW und Infotainment-Systemen von Continental. Das BMW-System Connected Drive verfügt über die oben beschriebenen Funktionen. Unter dem Begriff Infotainment bündelt der Automobilzulieferer Continental Radio-, Navigations- und Multimediasysteme, die in Fahrzeugen unterschiedlicher Klassen eingesetzt werden können.

Die Adam Opel AG mit Stammsitz im hessischen Rüsselsheim führt 2015 in einzelnen europäischen Märkten die Fahrzeugvernetzung mit OnStar ein. Auch dieses bietet eine Internetverbindung und eine Auswahl an Funktionen per Fernzugriff über das Smartphone. Außerdem kann der Opel-Fahrer in Zukunft beispielsweise per Knopfdruck bei einer Panne Hilfe anfordern.

Sollte das Auto gestohlen werden, hilft OnStar der Polizei den gestohlenen Wagen zu lokalisieren. Bisher bietet Opel mit IntelliLink bereits ein Infotainment- und Navigationssystem an. Über die Verbindung mit dem Smartphone kann auf eigene Musik-, Video- und Bilddateien, das Telefonverzeichnis und die Navigations-App zugegriffen werden.

Die Entwicklung von Lösungen zur Vernetzung der Automobile stellt für die Automobilindustrie und weitere Branchen einen bedeutenden Markt dar – allein in Europa sind heute über 200 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs. Einheitliche technische Normen sind ein wichtiger Schritt für die schnelle Realisierung des vernetzten Fahrens. Wichtige offene Punkte sind derzeit Datenschutz und Datensicherheit, denn die vernetzten Fahrzeuge sammeln und Übertragen eine große Menge an Informationen.

 
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