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Hessenboebbel

Thema des Monats: November 2014

Arbeit 4.0 – Produktionsarbeit im Wandel

„Die Fabrik der Zukunft hat nur zwei Angestellte: einen Mann und einen Hund. Der Mann ist da, um den Hund zu füttern. Der Hund ist da, um den Mann davon abzuhalten, die Maschinen anzufassen.“

In der „Fabrik der Zukunft“ gibt es vernetzte Maschinen und automatisierte Produktionsabläufe; hier kennt das Produkt seine Historie und die nächsten Arbeitsschritte bis zur Fertigstellung und teilt diese den Maschinen automatisch mit. So sagt die Seifenflasche der Maschine beispielsweise über radio-frequency identification Tags (RFID) welche Seife sie einfüllen soll – ganz ohne menschliches Zutun.

Wird der Mensch in der Produktionsarbeit der Zukunft nicht mehr gebraucht?

Absetz Roboter © Dieter Poschmann / pixelio.de
Absetz Roboter © Dieter Poschmann / pixelio.de

Maschinen und Computer übernehmen mehr und mehr Aufgaben in der Fertigung und steuern Prozesse „selbstständig“. Die Arbeit verändert sich, Maschinen machen die „Muskelarbeit“, Blue- und White-Collar-Aufgaben verschmelzen, Produktions- und Wissensarbeit rücken näher aneinander, die Fertigung wird zunehmend durch Vernetzung und Software gesteuert und bestimmt. Dennoch: Maschinen und Computer können den Menschen nicht vollständig ersetzen. Ihnen fehlen die Flexibilität und Erfahrung.

Flexibilität
Die Flexibilität spielt in der Produktion eine immer größere Rolle, denn Marktvolatilität und Absatzschwankungen wachsen, Produktlebenszyklen werden kürzer und die Produktdifferenzierung nimmt zu – dieses hohe Maß an Flexibilität und Komplexität ist durch die Automatisierung und Maschinen allein nicht zu bewältigen. Maschinen sind für gewisse Aufgaben ausgerichtet. Zwar wächst mit der Vernetzung von Produkt und Maschine neben der Automatisierung auch die Flexibilität der Maschinen – beispielsweise laufen Seifenflaschen nicht mehr in Chargen nach Duft und Farbe sortiert sondern gemischt durch die Produktion – dennoch können sie nicht so flexibel agieren wie der Mensch.

Heute gleichen Unternehmen Absatzschwankungen beispielsweise durch den Einsatz von Leiharbeitern, Produktion auf Lager oder eine reduzierte Produktion aus. Aufgrund der steigenden Schwankungsintensität – Tagesschwankungen nehmen branchenübergreifend zu – wird dies zukünftig nicht mehr ausreichen. Eine Lösung, um kurzfristige Schwankungen zu kompensieren, könnten flexible Arbeitszeitkonten für Produktionsmitarbeiter, die einen stunden- oder tageweisen Einsatz ermöglichen, bilden.

Der Mensch als Erfahrungsträger
Menschen können aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Basierend auf Erfahrungen entwickeln sie neue Ideen und Lösungen für unvorhergesehene Vorkommnisse. Die Denkfähigkeit und assoziative Fähigkeiten des Menschen können Maschinen auch in der „Fabrik der Zukunft“ nicht ersetzen. Beispielsweise melden Maschinen zwar Fehler, die aufwändige Suche nach der Ursache und Fehleranalyse erfolgt aber durch die Mitarbeiter.

Damit die Produktionsarbeit der Zukunft erfolgreich ist, müssen Mensch und Maschine ein Team bilden. IT- und Software-Fähigkeiten werden für die Produktionsmitarbeiter zunehmend wichtiger. Mitarbeiter müssen entsprechend weitergebildet werden, wobei theoretische Schulungen nur eine untergeordnete Rolle spielen, es geht vor allem um das Training on-the-job.

Der Mensch wird Teil des Prozesses
Die Integration von Mitarbeitern in Systeme und automatisierte Produktionsprozesse erfolgt durch die Verwendung von internetfähigen mobilen Endgeräten – Smart Devices. Der MES-Hersteller iTAC arbeitet derzeit beispielsweise an einem Smart Vision Device, einer Art Google-Brille, welches Montagearbeiter in Prozesse einbindet und es ihnen ermöglicht Informationen in Systeme einzugeben oder daraus abzurufen. Im Gegensatz zu einem Computer oder Tablet hätte eine solche Brille den Vorteil, dass die Mitarbeiter bei der Arbeit ihre Hände frei haben.

Ebenso wie das Büro durch Internet und Computer nicht papierlos geworden ist, wird die „Fabrik der Zukunft“ durch Vernetzung und Automatisierung nicht menschenleer werden. Maschinen und Software können den Menschen in der Fertigung nicht vollständig ersetzen. Damit die Fabrik der Zukunft erfolgreich funktioniert ist es daher wichtig, dass die Mitarbeiter auf dem Weg dorthin mitgenommen werden. Ihre Einstellung gegenüber flexiblen Arbeitszeiten und neuen Aufgaben ist ein entscheidender Faktor, damit die Umstellung funktioniert.

Von einer Fabrik in der nur ein Mensch und ein Hund anwesend sind, ist die Produktion als noch weit entfernt.

 

Zusätzliche Informationen zur Produktionsarbeit der Zukunft finden Sie in der Studie "Produktionsarbeit der Zukunft - Industrie 4.0" des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

 
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