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Hessenboebbel

Investitionsfreundliche Standortpolitik

„Mehr investieren! Weniger umverteilen“ heißt der aktuelle Geschäftsbericht, den die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) nach zwei Jahren wieder aktuell vorlegt.

Die damals neu gebildete Große Koalition in Deutschland hat das Jahr 2014 mit sozialpolitischer Umverteilung geprägt und musste sich 2015 auf Krisenmanagement konzentrieren: von Russlandkrise bis hin zur drohenden Staatspleite des Eurolands Griechenland, bevor die Flüchtlingsströme alles beherrschendes Thema wurden. Die damals ebenfalls neue schwarz-grüne Koalition in Hessen hat haushaltspolitisch Kurs gehalten, in der Bildung Erhebliches für die Berufsorientierung auf den Weg gebracht und in der Wirtschaftspolitik das Wachstum des Jobmotors Flughafen bislang nicht eingeschränkt.

 Zurückhaltung bei Investitionen auflösen

„Die Investitionen von heute sind die Umsätze von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen“, lautet eine ökonomische Binsenweisheit. Natürlich finden wir noch Beispiele privater Investitionen in allen Regionen in Hessen: Sirona Dental, Technologieführer für Dentaltechnik, investierte in eine große Werkserweiterung um ihren Hauptstandort Bensheim. Leica Camera stellte 2014 im Leitzpark Wetzlar seine neue Firmenzentrale fertig. Der Weltmarktführer für Temperaturfühler JUMO baut ein neues Werk in Fulda. Die Viessmann-Werke haben 2015 am Stammsitz in Allendorf (Eder) weltweit die erste „Power-to-Gas“-Anlage mit biologischer Methanisierung in Betrieb genommen.

Aber über alles gesehen sinken die privaten Ausrüstungsinvestitionen in Hessen und Deutschland seit drei Jahren – Ausnahme war das vierte Quartal 2014. Diese Zurückhaltung der Unternehmen muss uns zu denken geben. Obwohl die Geschäfte bei vielen gut laufen, verlagern sie dennoch Investitionen zunehmend ins Ausland, wo – angesichts der hohen Kostenbelastungen in Deutschland – auch immer mehr die Ergebnisse erwirtschaftet werden. Gefährlich sind nicht einzelne große, gar spektakuläre Verlagerungen heimischer Unternehmen. In Summe viel gefährlicher sind die vielen kleineren Investitionsentscheidungen in den Ersatz der Produktionsanlagen, die zugunsten anderer Standorte in Osteuropa und Asien fallen – und die öffentlich gar nicht wahrgenommen werden.

Auch die öffentlichen Investitionen in die Verkehrs- und IT-Infrastruktur lassen für die Zukunftssicherung unseres Landes erhebliche Wünsche nach oben offen. Das hat vor allem einen Grund: Der Sozialstaat Deutschland wächst schneller als die deutsche Wirtschaft. Auch in Hessen schränken die Personalkosten der Staatsbediensteten den Landesetat entscheidend ein. Die Landesregierung tut gut daran, hier den Hebel anzusetzen.

Für eine gute Zukunft und eine nachhaltige Stabilisierung der Konjunktur braucht es mehr private Investitionen, mehr öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, was Einsparungen bei anderen staatlichen Ausgaben voraussetzt, um nicht mit dem Ziel der Haushaltskonsolidierung zu kollidieren, und eine höhere Produktivität hier am Standort Deutschland und in seiner Mitte, in Hessen.

Mehr investieren! Weniger umverteilen!

Soll die Erfolgsgeschichte weitergehen, dann muss mehr investiert und weniger umverteilt werden. Auf keinen Fall darf sich – wie es gerade geschieht – die Umverteilungsspirale ständig weiter nach oben drehen. Die hessischen Unternehmen wollen und brauchen – nach Mindestlohn-Gesetz, Rentenpaket und stetiger Ausdehnung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen – einen Belastungsstopp für die Wirtschaft.

Uns Hessen fehlen umgekehrt auch energische wachstumsorientierte Impulse bei den Rahmenbedingungen für Wachstumsmärkte und zukunftssichernder Infrastruktur: bei der Umsetzung der Energiewende ohne stetige Strompreisverteuerung, bei der Digitalisierung der Industrie und bei der Verwirklichung der Freihandelszone mit den USA (TTIP).

 

Mehr dazu und viele andere Themen finden Sie im VhU-Geschäftsbericht 2015 .

 

 
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