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Hessenboebbel

Doppeltes JA zum Industriegebiet

Harald Fiedler und Friedrich Avenarius im Interview mit der FNP.

Harald Fiedler (l.), Der DGB-Geschäftsführer für die Region Frankfurt-Rhein-Main und Friedrich Avenarius, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) für das Rhein-Main-Gebiet.

Der DGB-Geschäftsführer für die Region Frankfurt-Rhein-Main, Harald Fiedler (links) und der Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) für das Rhein-Main-Gebiet, Friedrich Avenarius, erläutern im Interview mit der FNP, wie wichtig aus ihrer Sicht ein neues Gewerbegebiet für Frankfurts Wirtschaftswachstum ist.

FNP: Herr Fiedler, Herr Avenarius, der DGB und die VhU fordern jetzt gemeinsam ein neues Industriegebiet. Warum reichen ihrer Meinung nach diejenigen Areale nicht aus, die der Magistrat beschrieben hat?

Fiedler: Der Magistrat hat insbesondere auf die vorhandenen Industrieparks in Höchst, in Griesheim und in Fechenheim verwiesen, die seiner Meinung nach ausreichend seien. Doch diese Industrieparks kommen mit ihren Infrastrukturen nur für ganz spezielle Unternehmen, etwa aus den Chemiebranchen, in Frage, denn nur sie benötigen die hohen Sicherheitsanforderungen oder etwa Dampf für ihre Produkte. Für andere Branchen sind sie damit viel zu teuer.

Avenarius: Es gibt einen Erfahrungswert, der uns zugetragen wurde, dass angeblich 90 Prozent der Flächen, die vom Magistrat als aktivierbar beschrieben wurden, tatsächlich nicht aktivierbar sind. Damit geht die Rechnung, die uns vom Magistrat aufgemacht wurde, nicht auf. Es gab ja auch bereits im Beitrat eine Diskussion zu diesen Thema. Ich kann nur vermuten, dass in dieser Frage auch politische Interessen eine wichtige Rolle gespielt haben, die es verboten haben, den Koalitionspartner nicht mit der Forderung nach einem neuen Industriegebiet zu überfordern.

FNP: Wen sprechen Sie damit an? Die CDU oder die Grünen?

Avenarius: Sie waren in der Pressekonferenz dabei und haben auch gehört, wer sich zu dem Thema eines neuen Gewerbegebietes wie geäußert hat.

Fiedler: Also Markus Frank, der Wirtschaftsdezernent, war bei diesem Thema sehr zurückhaltend. Aber es ist ja auch denkbar, dass man Flächen aktivieren könnte, die vom kommunalen Grenzen durchschnitten werden. Das wäre möglich, wenn man sich über eine Einigung zur Aufteilung der kommunalen Steuern, unterhält. In Kelsterbach wurde dies ja schon einmal praktiziert.

Avenarius: Sie hatten ja ein Beispiel eines Frankfurter Unternehmens angeführt, das sich in Frankfurt erweitern wollte, dem die Stadt jedoch keine neue Fläche benennen konnte. Wir haben von der Wirtschaftsförderung bereits von einigen anderen Unternehmen genau die gleiche Klage gehört. Das dürfte doch kein Thema sein, wenn die Behauptung zutreffend wäre, dass es in Frankfurt genügend aktivierbare Flächen für Industrieansiedlungen gibt. Aber es ist halt doch ein Thema.

FNP: Gleichzeitig wurde aber auch darauf verwiesen, wie wichtig die Industrie für die Steuereinnahmen der Stadt ist. Wie kann man das in Übereinstimmung bringen?

Fiedler: Wenn Sie mal an den Martinszehnten in Kalbach denken. Auch dieses Industriegebiet ist auf unser beider Initiative hin entwickelt worden. Auch damals war das Thema, dass Frankfurter Unternehmen Flächen für eine Erweiterung gesucht haben. Diese Fläche in Kalbach war damals vorgesehen für Industrieunternehmen, doch leider hat man den Fehler gemacht dort vom Gemüsemarkt bis zur Großmarkthalle alles anzusiedeln. Dort wäre der ideale Standort für Zukunftsindustrien gewesen. Diesen Fehler sollte man bei einer neuen Diskussion um ein neues Industriegebiet nicht wieder machen.

Avenarius: Im Beirat haben wir in den verschiedenen Arbeitsgruppen versucht unter dem Stichwort Industrie 4.0 zwei Ideen zu verbinden, nämlich uns erstens für diese Industrie 4.0 stark zu machen und auch die digitale Infrastruktur an diese Standards anzupassen. Gerade in der Erkenntnis, dass wir ein neues Industriegebiet für die digitale Industrie dringend benötigen. Das würde Frankfurt gut anstehen, ja es könnte sogar zu einem Alleinstellungsmerkmal in der Bundesrepublik führen, wenn wir ein Gewerbegebiet ausweisen, das die höchsten digitalen Standards hätte. Auf eines möchte ich doch noch hinweisen: Wären wir nicht der Überzeugung gewesen, dass in Frankfurt etwas passieren muss, hätten wir uns doch nicht die Arbeit in dem Beirat gemacht, um in dem Masterplan mitzuarbeiten. Für uns ergibt sich aus dem Masterplan, dass diese Forderungen auch umgesetzt werden. Wir waren doch davon ausgegangen, dass der Magistrat das, was der sehr große Kreis von 60 Experten aufgeschrieben hat, was er einstimmig verabschiedet hat und was wohl auch in der Stadtverordnetenversammlung so beschlossen werden wird, dass dieses Papier in der nächsten Koalitionsvereinbarung auch eine entsprechend wichtige Rolle spielen wird.

Fiedler: der Masterplan ist doch keine Beschreibung des Ist- Zustandes, sondern ein Arbeitsauftrag mit Inhalten an die Politik. Wir beide erwarten also auch, dass die Politik, diesen Masterplan ernst nimmt und umsetzt.

 

Frankfurter Neue Presse

 
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