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Der Elektroniker im Wandel der Zeit

Wie sich der Elektromechaniker von 1950 zum heutigen Elektroniker für Geräte und Systeme mausert – und Industrie 4.0 vorwegnimmt

Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Frankfurt. Alle reden von der unsere Zukunft prägenden Industrie 4.0. Inzwischen hat der Megatrend Digitalisierung mit Cloud-Technologie, Big Data, Robotik, 3-D-Druck bis hin zu Social Media fast alle Branchen, von Banken bis Handel, erreicht. Sie wird aber nicht nur digitale Komponenten in Produkte und Maschinen integrieren, Produktionsprozesse verändern und die Produktion vernetzen – sie führt uns auch in eine Arbeitswelt 4.0. Unsere Mitarbeiter müssen in der digitalen Zukunft andere und neue Qualifikationen und Kompetenzen mitbringen.

Die gute Nachricht ist: Die international hoch angesehene duale Ausbildung in Deutschland ist der Sektor des Bildungssystems, der wie kein anderer bereits in der Industrie 4.0 angekommen ist. Er vermittelt den Mitarbeitern von morgen bereits heute die Qualifikationen und Kompetenzen, die sie in einer Arbeitswelt 4.0 dringend brauchen. Durch seine Ordnungsmittel ist das System optimal ausgestattet, sich schnell an praktische Herausforderungen und Veränderungen anzupassen. Im Kernbereich der Industrie, in der industriellen Produktion, ist die Berufsausbildung also immer auf Höhe der technologischen Entwicklung. Diese parallele Entwicklung des Ausbildungssystems entlang der industriellen Zeitalter lässt sich vorbildlich am Beruf des Elektromechanikers erklären.

Ausgangspunkt für die Entwicklung des heutigen Berufs des „Elektronikers für Geräte und Systeme“ war 1950 die Anerkennung des Berufsbildes des „Elektromechanikers“ mit einer Lehrzeit von 3 Jahren. In den 60er Jahre beschäftigte man sich dann bereits damit, wie sich die technische Entwicklung im Bereich der Elektronik in der Ausbildung niederschlagen sollte. Beeinflusst wurden diese Überlegungen vor allem durch das damals intensiv diskutierte Stufenausbildungskonzept. So entstanden 1972 die neuen Berufe des „Elektrogerätemechanikers“ und des „Nachrichtengerätemechanikers“, die fortan auf die Spezialgebiete der Energietechnik bzw. der Nachrichtentechnik abzielen sollten. Foto: Gesamtmetall / ME Berufe Info

Im Sinne der Stufenausbildung konnte man nach erfolgreichem Abschluss eine entsprechende spezialisierte Ausbildung aufsetzen, beispielsweise als Energiegeräteelektroniker, Feingeräteelektroniker oder Funkelektroniker.

In den Folgejahren entwickelte sich nun zunehmend ein Widerspruch zwischen Ausbildungs- und Betriebspraxis. Die rasante elektrotechnische Entwicklung und der damit verbundene Bedarf an hochqualifizierten Elektrofacharbeitern kollidierten mit dem empirisch-pragmatischen Leitgedanken der Stufenausbildung. Neue Technologien veränderten in bisher nicht gekanntem Maße die Arbeitsverfahren, Arbeitsmittel und Produkte. Die Digitalisierung begann. Die Fähigkeit sich an technische Veränderungen anzupassen und das Gelernte ein Berufsleben lang weiterzuentwickeln, wurde zum expliziten Ziel der Berufsausbildung. Dementsprechend wurden gemeinsame Ausbildungsberufe mit Fachrichtungen konzipiert, die sowohl gemeinsame aber auch auf ein berufliches Tätigkeitsgebiet spezialisierte Ausbildungsinhalte umfassten. Entscheidender Fortschritt war die Fokussierung auf Prozesskompetenz und Lernfähigkeit. Sprich: Selbständigkeit statt Einüben von Arbeitsgängen! So entstanden die Ausbildungsberufe des „Industrieelektronikers“ und des „Kommunikationselektronikers“ mit fünf verschiedenen Fachrichtungen.

Mitte der 1990er Jahre durchlief das anerkannte Ausbildungssystem die umfassendste Reform mit der Aktion „Neue Berufe“. Mehr als die Hälfte aller Ausbildungsberufe wurde überarbeitet oder neu entwickelt. Vor allem im Bereich der Informationstechnologie wurden neue Berufe geschaffen. So zum Beispiel die Ausbildung zum „Mikrotechnologen“, „IT-System-Elektroniker“ oder „Fachinformatiker“. Neu war auch die Schaffung eines Ausbildungsberufes, der Qualifikationen aus Mechanik, Steuerungstechnik und Elektrotechnik umfasste: der Mechatroniker.

Die letzte und noch bis heute gültige Neugestaltung der Metall- und Elektroberufe wurde 2000 zwischen Gesamtmetall, ZVEI und IG Metall vereinbart. Sie hatte die Neuordnung der industriellen Elektroberufe 2003 und die der industrielle Metallberufe 2004 zur Folge. Mit dem Ziel dynamischer und gestaltungsoffener Ausbildungsberufe wurden Ausbildungsstrukturen weiterentwickelt, um die Mobilität der Arbeitnehmer bezüglich ihrer Einsatzmöglichkeiten und die Flexibilität der Unternehmen hinsichtlich der Ausbildungsgestaltung abzusichern. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf einzelnen Tätigkeiten, sondern auf dem gesamten Fertigungsprozess einschließlich der Auftragsanalyse, der Entwicklung von Lösungen, des Qualitätsmanagements und des Services. So entstand der heutige Ausbildungsberuf des „Elektronikers für Geräte und Systeme“ sowie im IT-Bereich der „Systeminformatiker“, inzwischen in „Elektroniker für Informations- und Systemtechnik“ umbenannt. Diese Auszubildenden sind die jungen Talente der Industrie 4.0.

Diese beispielhafte Entwicklung des Elektromechanikers zeigt, wie sich die duale Ausbildung schon immer und auch in Zukunft dynamisch am technologischen Fortschritt orientieren wird. Ausbildung 4.0 liegt nicht in weiter Ferne, wir leben sie bereits.

Die Genese des Elektromechanikers

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Download

Studie "Fachkräfte für die Industrie 4.0"

 
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