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Hessenboebbel

Attraktive Arbeitgebermarken in einer Industrie 4.0

Wie sich hessische Unternehmen als attraktive Arbeitgeber auf Industrie 4.0 ausrichten

Foto: Frank Kleefeldt

„Eine Arbeitgebermarke lässt sich nicht von oben herab verordnen. Sie muss mit den Mitarbeitern entwickelt und gepflegt werden, authentisch sein und aus dem genetischen Code der Marke selbst kommen.“ (Wolf M. Mang)


In der heutigen Zeit laufen wir durch den Fachkräftemangel langsam aber sicher auf einen Engpass zu. Außerdem steht uns mit Industrie 4.0 eine technologische Evolution bevor mit vielen Chancen für neue Geschäftsmodelle. Zum einen machen es der „War for Talents“, der demografische Wandel und der sich daraus verschärfende Fachkräftemangel den Unternehmen immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu bekommen. Zum anderen entsteht mit Industrie 4.0, der Durchdringung der klassischen Industrie mit Software bis hin zur Selbststeuerung von Produkten und Prozessen, eine neue Arbeitswelt.

Daraus ergeben sich zwei elementare Fragen, die für den Fortbestand einer erfolgreichen deutschen Industrie mit hohem Qualitätsanspruch zukunftsweisend sind:

1. Wie können sich Unternehmen aktiv als attraktiver Arbeitgeber präsentieren? Und ist eine Arbeitgebermarke auch für kleine und mittlere Unternehmen umsetzbar, die es naturgemäß schwerer haben, bei potenziellen Bewerbern wahrgenommen zu werden?

2. Wie bleiben Unternehmen auch in Zeiten der Generationen X und Y attraktiv? Braucht es in einer Industrie 4.0 auch eine angepasste Human Relations 4.0? Oder eine Ausbildung 4.0?

Dazu geben 7 Unternehmer aus Konzernen, sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen, aber auch aus der Personalwirtschaft Antwort.

 

Wolf Matthias Mang

„Die menschenlose Fabrik wird es nicht geben. Erst in der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird eine Fabrik smart: Wir werden also einen Prozess erleben, in dem Arbeit nicht verschwin¬det, sondern sich ändert. Deutsch¬land steht mit seiner Industrie 4.0-Plattform im Wettbewerb zum amerikanischen Industrial Internet-Consortium (IIC). Hier der ingenieurgetriebene Ansatz, der an technischer Optimierung bastelt. Dort der marktgetriebene Ansatz, der den Endkunden im Blick hat. Nötig ist das Beste aus beiden Welten, mit maßgeschneidertem Zuschnitt für das eigene Unternehmen. Wir Deutsche haben 100 Jahre Erfahrung mit Prozesswissen, Big Data gibt es seit 5 Jahren. Also muss es uns gelingen, Big Data in Prozesswissen zu übersetzen.“

Wolf Matthias Mang, Geschäftsführer der Arno Arnold GmbH, Obertshausen

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„Wir sind bereits bei Industrie 3.8 angekommen. Bis zur Industrie 4.0 ist es nur noch ein kleiner Schritt. 2010 haben wir unsere ‚Smart Electronic Factory‘ errichtet. Sie wird als Forschungs- und Demonstrationsplattform für Industrie 4.0-Lösungen in einer real produzierenden Fabrik genutzt. Die cloudfähigen Systeme steuern Anlagen und Maschinen, die untereinander selbstständig Daten austauschen und sich an Auftragslage und Fertigungsbedingungen orientieren. Alles wird dokumentiert und ausgewertet, um Abläufe zu optimieren und Kosten über die gesamte Lieferkette zu reduzieren. Dafür brauchen wir bestens ausgebildete, teamfähige Mitarbeiter, die Ideen entwickeln und in die Prozesse einbringen. Der Mensch muss mit der Maschine interagieren. Nur wenn das gut klappt, funktioniert unsere smarte Fabrik.“

Gerd Ohl, Geschäftsführender Gesellschafter bei Limtronik, Limburg

Hier geht's zum kompletten Interview & Video mit Gerd Ohl.
Gerd Ohl

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Ulrich Schumacher

„Opel versteht sich als Wegbereiter der digitalen Vernetzung. Die Digitalisierung beeinflusst die gesamte automobile Wertschöpfungskette und macht Prozesse schon heute effizienter und effektiver. Roboter, Maschinen, Systeme und Menschen sind vernetzt – in der Logistik, der Produktion, der Qualifizierung und sogar bei Design und Entwicklung. 3D-Drucker, kollaborierende Roboter, Produktionssteuerung über Smartphone, Augmented Reality – Industrie 4.0 ist bei Opel in vielen Unternehmensbereichen schon heute gelebte Wirklichkeit. Das begeistert die Menschen und macht uns attraktiv für junge Kolleginnen und Kollegen, stellt aber auch besondere Anforderungen an die Mitarbeiter. Denn die Geschwindigkeit von Veränderungen ist hoch. Wir müssen uns ständig weiterentwickeln. Lebenslanges Lernen ist das Stichwort.“

Ulrich Schumacher, Vorstandssprecher und Arbeitsdirektor der Adam Opel AG, Rüsselsheim

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„Um Fachkräfte für Industrie 4.0 zu gewinnen, bedarf es einer ausgefeilten Arbeitgebermarke. Basismerkmale wie gutes Arbeitsklima und ansprechende Gehälter werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Fehlen sie, wird der Arbeitgeber sofort unattraktiv. Punkten kann man auf der Leistungsebene mit guter Weiterbildung und Karrieremöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wirkliche Begeisterung löst man bei Bewerbern aus mit Angeboten, die keiner erwartet, z.B. mit Home Office und flachen Hierarchien. Hier geht die Attraktivität steil nach oben und man sticht aus den Mitbewerbern deutlich hervor. Aber Employer Branding heißt auch, Mitarbeiter zu behalten! Wer die wirklich guten Leute bekommen will, muss sich gut verkaufen, aber die Versprechen müssen auch stimmen. Denn oft kommt ein neuer Mitarbeiter wegen der tollen Arbeitgebermarke und geht wegen schlechter Vorgesetzter.“

Marc Irmisch, Vice President General Manager DACH, Monster Worldwide Deutschland GmbH, Eschborn

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Marc Irmisch

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Wilfried Neuschäfer

„Einen guten Arbeitgeber zeichnet aus, dass die Menschen bei ihm gerne zur Arbeit gehen. Für mich steht der Wohlfühlfaktor an erster Stelle. Lob und Anerkennung sind für viele Menschen sehr viel wichtiger als Geld, das natürlich auch stimmen muss. Wir achten bei uns deshalb auf ein außergewöhnliches Ambiente, setzen auf hochwertige Materialien und viel Licht. Fast alle Türen sind aus Glas. Im Flur läuft Jazz-Musik, wir haben Grünpflanzen und stellen Kunst aus. Unsere Firma hat fast schon ein bisschen Hotelcharakter und wir betrachten unsere Mitarbeiter auch in gewisser Form als unsere Gäste. Um aber die Basis unseres Erfolgs, unsere wertschätzende Unternehmenskultur, wirklich zu erfassen, muss man uns besuchen, denn es ist ein ganz besonderer Wohlfühl-Geist, der bei Neuschäfer weht.“

Wilfried Neuschäfer, geschäftsführender Gesellschafter bei Neuschäfer Elektronik, Frankenberg

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„Innovation, Wertschätzung und Vertrauen. Das sind die Grundpfeiler auf denen die Unternehmenskultur der sera group GmbH beruht. Sie finden Einzug in all unser Tun. Deswegen gibt es neben einem fairen Lohn nicht nur vielfältige Karrieremöglichkeiten, Weiterbildung, individuelle Förderung und Alterssicherung – wir ermöglichen auch Homeoffice, dort wo es geht, und arbeiten in einer schlanken zweistufigen Hierarchie. Wir haben einen Room of Inspiration zur Förderung der Kreativität und einen Room of Body and Soul, in dem wir interne Yoga- oder Pilates-Kurse anbieten. Zusammen mit Vertrauensarbeit und einer Kultur des Du begeistern wir so die Menschen unseres jungen Unternehmens schon in 3. Generation.“

Carsten Rahier, geschäftsführender Gesellschafter der sera group, Immenhausen

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Carsten Rahier

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Andreas Fiedler

„Die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter passend zu einer Technik zu schaffen, die sich rasant weiter entwickelt, ist die große Herausforderung für ein traditionelles Gießereiunternehmen. Wechseln bei uns Mitarbeiter aus traditionellen Abteilungen, wie z.B. den Kernmachereien, in unsere roboterbetriebenen Fertigungsanlagen, haben sie einen Heidenrespekt vor der modernen Technik. Es ist unsere Aufgabe, diesen Kollegen die Ängste zu nehmen und sie so vorzubereiten, dass sie die neuen Aufgaben annehmen und am Ball bleiben. Das in Einklang zu bringen mit einem Betriebsklima, in dem sich die Menschen wohl und anerkannt fühlen, ist entscheidend.“

Andreas Fiedler, Personalleiter der Fritz Winter Eisengießerei, Stadtallendorf

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Artikel von Anna Sonnick

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 Links

Der Blog zum Hessenforum 2016 - Alle Interviews & Videos auf einen Blick

 
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