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Hessenboebbel

IPH Studie

Initiative Industrieplatz Hessen präsentiert Studie mit neuer Sicht auf Industrie

Hessische Industrie wird „smart“ - Industrie braucht steuerliche Entlastung bei Innovationen - Wirtschaftsminister regt bessere Einbeziehung von Öffentlichkeit und Parlament für mehr Akzeptanz bei Großinfrastrukturprojekten an.

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Der industrielle Kern in Hessen schrumpft. Die Bedeutung der hessischen Industrie wächst, weil sie immer mehr Dienstleistung erzeugt und bindet und durch intelligent integrierte Software schlauer wird. Dr. Michael Kassner, Siemens AG, und Dr. Heinz Riederer, Sanofi, untermauerten den Transformationsprozess zur smarten Industrie mit Einblicken in ihre Unternehmenspraxis.

Aber bei den Rahmenbedingungen sieht die hessische Industrie Verbesserungspotenzial für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit: z. B. in der steuerlichen Entlastung bei Innovationen, einem verbessertem Wissenstransfer und angepassten Förderlinien. Auch der Standort müsse smarter werden. Der Wirtschaftsminister regte angesichts drängender Infrastrukturprojekte an, z. B. bei der Energiewende eine frühere Einbeziehung von Öffentlichkeit in Planungsprozesse und eine stärkere Beteiligung des gesamten Parlaments, um die Akzeptanz für das Notwendige zu erhöhen.

Betrachtet man das Verarbeitende Gewerbe, also die hessische Industrie in der Branchensicht auf Basis der amtlichen Statistik, ergibt sich folgender Befund: Nach dem Krisenjahr 2009 zeigt sich der Wertschöpfungsanteil der Industrie an der gesamten Wirtschaft mit +8,2% auf 17% deutlich erholt. Über die gesamte Zeitreihe schrumpft der industrielle Kern Hessens in der Tendenz von 21,4% in 1995 auf 17% in 2010.

Mit 77% der Bruttowertschöpfung bleibt der Dienstleistungssektor auch nach der Krise der dominierende Bereich in Hessen. Rund drei Viertel der Erwerbstätigen sind dort beschäftigt. Nur 46% der Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes entfallen tatsächlich auf reine Industrieprodukte. Die Industrie ist aber der größte Motor für Innovationen. 90% der FuE-Aufwendungen und 77% der Innovationsaufwendungen kommen aus der Industrie.

Bezieht man auf Basis der amtlichen Statistik die wirtschaftlichen Verflechtungen mit ein, ergibt sich ein vollständigeres Bild durch die so genannte Verbundsicht: Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Hessen kaufen netto mehr Vorleistungen aus anderen Bereichen ein als sie an diese Bereiche abgeben. Die Industrie ist damit für andere Branchen ein unverzichtbarer Absatzmarkt und Drehscheibe für Wertschöpfungsketten.

Beachtliche 56% der hessischen Wertschöpfung entstammen den unternehmensnahen Diensten, also Dienstleistungen, die es ohne die Industrie nicht gäbe. Die Studie zeigt damit eindeutig, dass ein Rückgang von Industrie auch ein Rückgang an gesamtwirtschaftlichen Innovationen und an industrienahen Dienstleistungen bedeutet.

Neue Betrachtungsweise zeigt differenziertes Bild

Moderne Industrie kann nicht mit dem Verarbeitenden Gewerbe gleichgesetzt werden. Branchen- und Verbundsicht der amtlichen Statistik springen also zu kurz. In der Studie wurde deshalb mit der Produktsicht eine neue Betrachtungsweise von Industrie entwickelt. Die Industrie wird dabei aus der Perspektive der Eigenart industrieller Produkte und Produktionsprozesse betrachtet.

Das wesentliche Merkmal für die Zuordnung zur Industrie ist hierbei eine identische Reproduzierbarkeit der Produkte, weil die Herstellung auf Stücklisten, Konstruktionen, Rezepturen oder klaren technischen Spezifikationen beruht. Zudem sollen die Produkte langlebige Investitionsgüter sein und beim Konsum nicht untergehen. In diesem Sinne gehören zur Industrie nicht das Handwerk, aber industriell gefertigte Dienstleistungen:

die Entwicklung von Software, Ingenieurdienstleistungen, bestimmte Leistungen aus dem Baubereich oder standardisierte Logistikdienstleistungen. Die innerhalb der Studie durchgeführte Befragung hessischer Unternehmen hat gezeigt, dass nach dieser Betrachtungsweise 14% der Unternehmen zur klassischen Industrie gerechnet werden müssen. Weitere 8% zum Kreis der industriell erstellten Dienstleistungen. Über Vorleistungsverbünde sind weitere 10% an der industriellen Wertschöpfung beteiligt.

 

Hessische Industrie ist auf dem Weg zur „Smart Industry“

Diese Produktsicht lässt erkennen: Die hessische Industrie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der zu einem neuen Verständnis von Industrie führen wird. Die hessische Industrie befindet sich auf dem Weg von der klassischen Industrie zur „Smart Industry“. Einige Industrien, wie z. B. die Auto-, Elektro- und Gesundheitsindustrie, haben einen Teil des Wegs schon hinter sich.

„Industrie verbindet sich intelligent mit Software und Dienstleistung und wächst genau dadurch. Nur wenn wir diesen Transformationsprozess besser erfassen und verstehen, können wir ihn auch unterstützen“, so Prof. Weidemann. Auf der Basis der bisherigen Erkenntnisse kann man festhalten: Die Marktleistung von Industrieunternehmen ist zunehmend durch Informations- und Kommunikationstechnik bestimmt.

Industriegüter und industrielle Produktion von morgen sind intelligent. Industrie produziert nach dem Konzept der Industrie 4.0 in selbstlernenden Systemen („cyber-physical systems“) und liefert Ressourcen schonende Produkte und Lösungen („green technology“).

„Die hessische Industrie ist bestens für den Transformationsprozess aufgestellt – in Energietechnik, im industriellen Bereich der Erneuerbaren Energien, im Automobilbau oder in der Anlagentechnik. Es bedarf aber Anstrengungen, diesen Prozess politisch zu unterstützen“, so Dieter Posch in seinen Ausführungen.

Die Praxis der Smart Industry

Wie Unternehmen in Hessen „Smart Industry“ zum Erfolgsrezept machen, zeigten die Beiträge von Dr. Michael Kassner, Siemens AG, Leiter Region Mitte, und Dr. Heinz Riederer, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Mitglied der Geschäftsführung. „Eine Stärke von Siemens ist die Verknüpfung von „klassischer Industrie“ mit Spitzen-IT. Wir verbinden die Welt der Elektrotechnik mit modernsten Softwaretechnologien und mit intelligenten Dienstleistungen, um Lösungen für Megatrends wie Urbanisierung oder auch die Energiewende zu bieten.

Um hier jedoch weiter global führend zu sein, brauchen wir aber auch zuhause in Deutschland mehr Technologie-Affinität und zügig umgesetzte Leuchtturmprojekte“, betont Dr. Kassner. Dr. Riederer verwies auf die notwendigen Rahmenbedingungen: „Die Smart Industry bei Sanofi steht für High-Tech-Produktion und Fertigung zu wettbewerbsfähigen Kosten von Medikamenten und Medizinprodukten, für die ein relevanter Mehrnutzen für den Patienten und eine kosteneffiziente Anwendung nachgewiesen sind. Die Sicherung einer erfolgreichen Zukunft mit weiterhin hohen Exporten bedarf einer Verzahnung von Forschungs-, Wirtschafts- und Gesundheitspolitik und fairen Rahmenbedingungen am Heimatmarkt Deutschland.“

 

Herausforderungen an Unternehmen und Politik

Die Industrieplatzinitiative verweist darauf, dass Unternehmen mit ihren Verbänden und Initiativen erfolgreicher sein können, wenn sie sich in unternehmensübergreifenden Clustern engagieren. Gleiches gilt für Plattformen zur Vernetzung und Kooperation. Initiativen wie die in FrankfurtRheinMain bereits gestarteten „House of Finance“, „House of Logistic“ oder „House of IT“ müssen mittelfristig auch auf andere Gebiete in Hessen übertragen werden.

Die Politik ist aufgefordert, die erforderlichen, „intelligenten und lernenden“ Rahmenbedingungen bereitzustellen und gute Initiativen der Wirtschaft zu fördern. Informationsprobleme in der Innovationsförderung müssen abgebaut und Innovationen durch Steuererleichterungen und Bürokratieabbau gefördert werden. Unter der Devise „Stärken stärken“ wird von der Politik in den für die hessische Wirtschaft relevanten Zukunfts- und Schlüsseltechnologiefeldern bereits ein aktives Technologiemarketing durch Technologie-Aktionslinien betrieben.

Staatsminister Dieter Posch erklärte dazu: „Mit den Technologie-Aktionslinien ist es mit geringen Mitteln nicht nur gelungen, Technologieanbieter und Technologieanwender zusammenzubringen, sondern auch die Potenziale der hessischen Zukunftstechnologie-Unternehmen regional, national und international sichtbar zu machen und Hessen im Wettbewerb der Technologiestandorte in der Spitze zu positionieren.“

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Teil I der Studie finden Sie hier hier als pdf- Datei.

Teil II der Studie finden Sie  hier als pdf-Datei.

 

 

 

 
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