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Die Handlungsfelder: Das Neue erschließen

Die Handlungsfelder: Das Neue erschließen

Das Neue erschließen

Wettbewerbsvorteile kreieren

Innovationen sind der Antrieb für eine erfolgreiche Industrie. Und Wissensarbeiter werden für die Innovationskraft der Industrie immer wichtiger. Dies gilt nicht nur für die Mitarbeiter in den Forschungs- & Entwicklungsabteilungen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Unternehmen. Ein durchgängiges Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungssystem ist daher erfolgskritisch für einen prosperierenden Industriestandort.

Momentan gehen ca. 90 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Wirtschaft von der Industrie aus – hier werden die Innovationen gemacht. Trotz einiger Großunternehmen, die aufgrund ihrer industriellen Nachfrage eine wichtige Ankerfunktion innerhalb des industriellen Sektors ausüben, ist das Industrieland Hessen vor allem mittelständisch geprägt. Die F&E in diesem Segment findet weniger grundlagenorientiert als vielmehr markt- und kundenorientiert statt. Der Vorteil dieser Art der Entwicklungsarbeit besteht im schnellen „Time to Market“, der Nachteil in der Kurzfristigkeit der so aufzubauenden Wettbewerbsvorteile. Wichtig für die Weiterentwicklung der Industrie am Standort Hessen ist beides:

  • Eine bedarfsorientierte Weiterentwicklung bestehender Wertschöpfungen mit dem Ziel vor allem komplexe Nachfragen zu befriedigen, um Wettbewerbsvorteile länger aufrechterhalten zu können. Dies ist in erster Linie die Aufgabe der Industrie und der mit ihr verbundenen Dienstleister selbst.
  • Ergänzt werden muss dies durch stärker an zukunftsorientierten Themenfeldern orientierte Innovationsanstrengungen und -förderung. Mit der Entwicklung der Innovationsstrategie 2020 verknüpft und verstärkt das Land Hessen bereits die Anstrengungen in diesem Bereich und setzt auf die schon aufgebaute vielfältige und leistungsfähige Forschungslandschaft in Hessen auf.

Auf Schlüsselbereiche konzentrieren: Stärken stärken – Potenziale entwickeln

Unter dem Motto „Stärken stärken – Potenziale entwickeln“ soll sich aus Industriesicht die Innovationsförderung auf marktrelevante Schlüsselbereiche konzentrieren, in denen die hessische Industrie (Technologieanbieter und Anwendungsbranchen) bereits gut positioniert ist oder ein hohes Wachstumspotential aufweist.

Die Konzentration auf Schlüsselbereiche berücksichtigt, dass sich die klassischen Branchenabgrenzungen zunehmend auflösen und neue, übergreifende Handlungs- und Kooperationsfelder entstehen. Innovationsförderung sollte daher an solchen Themenfeldern ausgerichtet werden. Aus Sicht der Industrie sind dies:

  • Gesundheit
  • Mobilität
  • Urbanität
  • Umwelt, Energie und Ressourceneffizienz
  • Kommunikation in der Informationsgesellschaft.

Im Rahmen von Förderungen sollte insbesondere auf die Vollständigkeit der Wertschöpfungsketten geachtet werden, damit Hessen von den jeweiligen Trends optimal profitieren kann und Verlagerungseffekte vermieden werden. Das Hauptaugenmerk soll auf der Förderung von innovativen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) entlang der Wertschöpfungskette liegen.6)

Betriebliches Innovationspotenzial erhöhen

Innovationsmanagement in KMUs vollzieht sich häufig wenig formal, kaum standardisiert und wenig methodenbasiert. Dies erhöht die Fehlschlagquote und führt in der Folge zu einer Unterschätzung des Innovationsmanagements für den Unternehmenserfolg. Um die Innovationskraft im industriellen Mittelstand zu erhöhen, ist eine Verbesserung der Kenntnis von systematischem Innovationsmanagement erforderlich. Insbesondere die Verbände und Vereinigungen der Industrie und der Gesamtwirtschaft sind aufgefordert hier stärker zu unterstützen.

Lernnetzwerke „Innovation“ etablieren

Die hessischen Großunternehmen der Chemie, Pharmazie und des Automobilbaus oder auch der Elektrotechnik sind extrem innovationsstark. Von den von ihnen entwickelten Innovationskonzepten und -strategien kann der Mittelstand profitieren. Prototypisch ist das weltweit mittlerweile intensiv praktizierte Modell der Open Innovation, bei der die klassische Innovationszusammenarbeit mit Universitäten und Forschungsinstituten zur geteilten „Intellectual Property“ und der interaktiven Wertschöpfung fortentwickelt wird. Dadurch kann auch der industrielle Mittelstand stärker an der Grundlagenforschung partizipieren und dennoch ein schnelles „Time to Market“ erreichen. Es sollen Lernnetzwerke etabliert werden, die moderne Methoden des Innovationsmanagement auf den industriellen Mittelstand transferieren helfen.

Wissens- und Technologietransfer

Der Zugang zu Technologie und die Existenz von F&E-Netzwerken haben einen deutlich positiven Effekt auf Wachstum und Beschäftigung. Hessen verfügt über eine ausgeprägte Forschungslandschaft. Die Zusammenarbeit insbesondere der mittelständischen Industrie mit den vielen Hochschulen, insbesondere Fachhochschulen und wissenschaftlichen Instituten in Hessen muss genauso weiter gefördert werden, wie der Aufbau von intraindustriellen F&E Netzwerken und Kooperationen zwischen Industrie und Dienstleistern. Diese Aufgabe soll seitens der Organisationen der Wirtschaft verstärkt wahrgenommen werden.

Als neuen Ansatz zur Unterstützung des Wissens- und Technologietransfers zwischen der Wirtschaft und Wissenschaft hat die VhU in Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen 2014 das WissenstransferCamp WITRAC mit Unterstützung durch die HessenAgentur ins Leben gerufen (www.wissenstransfercamp.de). Es wird jährlich stattfinden und bietet eine Gelegenheit für die Entstehung neuer Netzwerke.

Cluster bilden

Unternehmen, die in Clustern und Netzwerken arbeiten sind im Schnitt erfolgreicher als andere. In Hessen existiert bereits eine Reihe von industriellen Clustern. Bei der monetären Clusterförderung verfolgt Hessen einen Bottom-Up-Ansatz, d. h. die Initiative muss von der Wirtschaft selbst ausgehen. Das hessische Clusterberatungsteam der HA Hessen Agentur GmbH begleitet im Auftrag des HMWEVL als „Kümmerer“ die hessischen Cluster- und Netzwerkinitiativen bei der optimalen Gestaltung ihrer Prozesse und Strukturen. Neu ist das Angebot an hessische Cluster, Benchmarking-Interviews durchzuführen für eine Zertifizierung im Rahmen der Europäischen Cluster Exzellenzinitiative (ECEI) mit individuellem Feedback. Der Cluster-Flyer soll aktualisiert werden, der den Unternehmen hilft, das für sie richtige Cluster zu finden und die Zusammenarbeit zwischen den Clustern zu stärken („Cross-Clustering“).

Facharbeitskräftepotential erhöhen

Laut der Fachkräftekommission muss bis 2030 von einer Verringerung des Arbeitskräfteangebots in Hessen um 300.000 bis 400.000 ausgegangen werden.Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels 2013 zeigen, dass die Betriebe Hessens die aus der demografischen Entwicklung resultierenden Probleme wahrnehmen und auf einem guten Weg sind, sich aktiv auf den demografischen Wandel einzustellen. Diesen Weg unterstützt das Land mit der Umsetzung seines Gesamtkonzepts zur Fachkräftesicherung in Hessen.

Das Thema Industrie im Bildungskanon verankern

Die Rolle der Industrie in der Wirtschaft und für die Wohlfahrtsentwicklung unseres Landes soll stärker als bisher in den Schulunterricht integriert werden. Daneben sollen die zahlreichen Maßnahmen, die eine verstärkte Hinwendung junger Menschen beiderlei Geschlechts zu technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fördern, verstärkt und noch besser verzahnt werden. Auch der Übergang von Schule in Beruf soll optimiert werden, indem die berufliche Orientierung wieder in die Schulzeit verlagert wird und die Lehrkräfte in dieser Aufgabe unterstützt werden.

Duale Berufsausbildung stärken

Es ist das Ziel, dass möglichst jeder Jugendliche in Hessen einen berufsqualifizierenden Abschluß erreicht. Dazu sind die Berufsorientierung in den Schulen zu stärken und die Angebote beruflicher Schulen konsequent auf eine Einmündung der Jugendlichen in das duale Ausbildungssystem auszurichten. Um die duale Berufsausbildung gegenüber einer schulischen Ausbildung attraktiver zu machen, verfolgen wir das gemeinsame Ziel, dass mehr Jugendliche die Hochschulreife über eine duale Berufsausbildung statt über schulische Wege erlangen. Dazu sind die Regeln des Hochschulzugangs im Hinblick auf ausreichende Durchlässigkeit zu überprüfen.

Für schwächere Jugendliche setzen wir uns für Unterstützungsangebote ein, die sowohl den Jugendlichen als auch den Betrieben helfen, dass die Ausbildung mit Erfolg beendet wird und Ausbildungsabbrüche vermieden werden.

Mit der Neugestaltung seiner Förderprogramme verbessert das HMWEVL die Rahmenbedingungen der betrieblichen Ausbildung und erleichtert Ausbildungsbetrieben die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen und die Entscheidung für die Ausbildung junger Menschen auch mit weniger guten Ausgangsvoraussetzungen. Zum Förderspektrum gehören u. a. Angebote der Nachwuchsgewinnung, Ausbildungsplatzprogramme, die Förderung der überbetrieblichen Ausbildung, die landesweite Ausweitung der Ausbildungsbegleitung (QuABB) und der Neustart eines Förderprogramms zur Steigerung der Ausbildungsfähigkeit und –qualität in Kleinstunternehmen.

Beschäftigungsfähigkeit erhalten

Das umfangreiche Wissen und die Erfahrung Älterer stellt ein großes Potential dar. Es muss gesichert, weiterentwickelt und weitergegeben werden. Neben einer fortgesetzten Aktualisierung des Wissenstands muss die betriebliche Organisation ein optimales Einbringen der Leistungen aber auch die individuellen Belange älterer Mitarbeiter sicherstellen.

Lebenslang Lernen

In der Geschwindigkeit, in der sich industrielle Wertschöpfung ändert, in der Geschwindigkeit ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Die hessische Industrie bekennt sich zum Konzept des lebenslangen Lernens und will dies in ihren Betrieben aktiv umsetzen. Die Hochschulen des Landes Hessen entwickeln Konzepte, wie akademisches Wissen für Unternehmen nutzbar gemacht werden kann. Das Ziel sind umfassende Angebote für berufsbegleitendes Lernen auf Hochschulniveau.

Bisher viel zu selten genutzte Kompetenzpotenziale gering qualifizierter Beschäftigter sollen erschlossen werden. Deshalb hat die hessische Landesregierung eine Nachqualifizierungsoffensive gestartet, die einen Schwerpunkt auf die Nachqualifizierung von Beschäftigten ohne Berufsabschluss legt. Eine landesweite Beratungs- und Begleitstruktur und die Förderung durch einen Qualifizierungsscheck schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Beschäftigte einen Berufsabschluss nachholen können.

Familie und Beruf vereinbar machen

Die Beschäftigung und Förderung weiblicher Fachkräfte gewinnt für die Industrie immer mehr an Bedeutung. Mit dem wachsenden Anteil von Doppelbeschäftigungen in den Familien wächst auch der Bedarf an Lösungen für die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Anforderungen. Als Antwort darauf will die hessische Industrie flexible Formen der Arbeitszeitgestaltung sowie Lösungen entwickeln, wie Arbeitnehmer vor allem ihren sozialen Aufgaben in der Kinder- und Altenbetreuung Rechnung tragen können.

Zuwanderung von Fachkräften erleichtern

Trotz aller eigenen Anstrengungen ist die hessische Industrie mittelfristig auf die Zuwanderung von vor allem gut ausgebildeten Fachkräften aus dem MINT-Bereich angewiesen. Das Land Hessen soll sich für eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften nach Hessen einsetzen.

 

Ganzheitliche Lösungen und die Verdienstleistung der Industrie

Insbesondere an den reifen Industriestandorten verändert der Sektor sein Gesicht. Der ursprüngliche Produktfokus wird mehr und mehr durch ganzheitliche Lösungskonzepte ergänzt oder verdrängt, obwohl diese anfangs nicht immer schon bei allen auf Nachfrage stoßen. So stehen beispielsweise bei der öffentlichen Infrastruktur – z. B. den wachsenden Städten und ihrer schnell zu erneuernden Infrastruktur - Ressortbudgets den unter Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsgesichtspunkten überlegenen ganzheitlichen Lösungen entgegen. Teil des mehr und mehr vordringenden Lösungsansatzes ist auch die zunehmende Verdienstleistung von industriellen Gütern. Was mit Finanzierungs- und Leasingangeboten begann, reicht heute bis zum Vertrieb der mit den industriellen Produkten erzeugten Prozessergebnisse, der Auslagerung ganzer Wertschöpfungsstufen an Dienstleister oder dem Insourcing von ergänzenden Dienstleistungen.

Die 4. Industrielle Revolution – Industrie 4.0

Neben diesen schon länger laufenden Entwicklungen hat sich in jüngster Zeit ein neuer Trend gesetzt, der die industrielle Produktion selbst revolutionieren kann. Nach der Erfindung der Dampfmaschine, der Einführung der Massenfertigung und der Digitalen Revolution gilt die Verschmelzung von industrieller Produktion und Informationsverarbeitung zu sogenannten „Cyber Physical Systems“ als die vierte industrielle Revolution. In der Industrie 4.0 wird die physische Welt zu einem Teil des Informationssystems: Produktionsprozesse steuern sich selbst, Produkte können in ihren eigenen Produktionsprozess eingreifen und Fehler vermeiden oder für individuelle Spezifikationen sorgen. Serienfertigung und Einzelanfertigung sind keine Gegensätze mehr.

In Hessen ist insbesondere die Metall- und Elektroindustrie, die optische Industrie, der Anlagen- und Maschinenbau sowie die Logistik von dieser Entwicklung betroffen. Es sollen Voraussetzungen geschaffen werden, dass hessische Unternehmen diese Entwicklung zum Ausbau der Wertschöpfung in Hessen nutzen können. Neben der für den Bereich Automatisierung und Systemtechnik bereits bestehenden öffentlichen Förderung werden die Wirtschaft und ihre Organisationen verstärkt den Fokus auf den Wissenstransfer und das Stiften von Entwicklungspartnerschaften legen.

  • Anschluss der KMU an Entwicklung sicherstellen
    Die im April 2013 gegründete Plattform Industrie 4.0 zielt auf den Aufbau eines deutschen Leitmarkts und einer Leitanbieterschaft modernster Produktionstechnologien. Die Ergebnisse dieser Plattform sollen insbesondere im Bereich der KMUs nach Hessen transformiert werden.
  • Schneller Transfer von Forschungsergebnissen
    Die aktuelle Forschung zu der horizontalen und vertikalen Integration von Produktionssystemen sowie zur Durchgängigkeit des Engineerings ist erfolgskritisch für die Umsetzung des Konzeptes der intelligenten Produktion. Die Ergebnisse dieser Forschung werden interessierten KMUs zugänglich gemacht und Ansprechpartner auf Forschungsseite vermittelt.
  • Kommunikation von Signaturprojekten
    Erfolgreiche Unternehmensbeispiele bei der Implementierung von Industrie 4.0 in hessischen Unternehmen werden als Best-Practice-Beispiele kommuniziert. So können Unternehmen von den Erfahrungen anderer profitieren und Anregungen für die Umsetzung im eigenen Unternehmen erhalten.
  • Arbeitsgruppe zur Organisation moderner industrieller Arbeit: „Responsible Work“
    Eine zunehmende Vernetzung und eine Echtzeitsteuerung von Produktion verändern die Arbeitsorganisation und die Arbeitsumgebung. Komplexere Inhalte, höhere Flexibilität und Variabilität bringen Chancen vermehrter Eigenverantwortung und Selbstentfaltung. Dieses Thema wird in das Ressort Arbeitswissenschaft in den Verbänden zur Bearbeitung eingespielt.
  • Weiterbildungskonzepte
    Die veränderten Arbeitsumfelder und -inhalte stellen auch auf der Seite des Fach-Know-hows neue Anforderungen. Es muss frühzeitig mit der Entwicklung entsprechender Inhalte und Weiterbildungsangebote begonnen werden. Dieses Thema wird in die Bildungswerke der Wirtschaft getragen.

 

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6) Smart Industry 2012, S. 15: „Insgesamt zeigen die Indikatoren zur F&E- und Innovationstätigkeit, dass kleine und mittlere Unternehmen und die Dienstleistungsbranchen Defizite haben. Auf die größeren Unternehmen entfallen in Deutschland etwa 90 Prozent der F&E-Ausgaben und 80 Prozent der Innovationsaufwendungen.“

 
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